Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- Berlin
- Date
- 1912-02-01
- Page
- 89 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. S9 mit ihren beiden Hütten in den Besitz gerade dieser Sektion übergehen. Zu Nutz und Frommen derer, denen jene Satzungen unbekannt sind, möge der erste Satz des § 3 hier angeführt werden: „Nur großjährige) christliche, im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befindliche Männer können Mitglieder der Sektion werden." Daß die Herren in dem Sinne, den der Paragraph bezeichnet, unter sich sein wollen, darf ihnen niemand übel nehmen. Sie haben das Dach ihres Brandenburger Hauses am Kesselwandjoch mit einem weithin sichtbaren Kreuz geziert und innen im Hauptraum des Hauses ein großes Kruzifix aufgestellt. Der geistige Zusammenhang dieses doppelten Schmuckes mit dem H 3 ist einleuchtend. Für den Nichtchristen ist das Kesselwandjoch leicht zu vermeiden,- aber Hochjoch und Niederjoch bilden den Ausgang aus dem Oetztal nach Süden in den Vintschgau und damit zur Ortlergruppe und umklammern außerdem einen der großartigsten Aussichtsberge der gesamten Alpenwelt, nämlich die Kreuzspitze, die somit zu einem „christlichen" Alpengipfel gestempelt wird. N i ch t ch r i st liche Touristen werden zu erwägen haben, ob sie nicht in Zukunft diese Touren meiden sollen." + Breslau, 2. Januar. Die „Breslauer Ztg." berichtete: „In dem Flecken S hasch ko w des Kiew scheu Gouvernements ist das Gerücht verbreitet worden, die Jüdin Ehaje Spektor habe das 14jährige Christenmädchen Agasie Ponurka erwürgt, weil es drei Gänse, statt sie zum Schächter zu tragen, selbst geschlachtet habe. Da das aus elf Bauern und einem Beamten bestehende Geschworenengericht der Stadt Taraschtscha die des Mordes angeklagte Chaje Spektor nach ganz kurzer Beratung freigesprochen hat, ist aber den Verdächtigungen der Juden, zu denen die judenfeindliche Presse den Vorfall bereits ausgebeutet hatte, die Spitze abgebrochen worden." O AeusteLtin, 17. Januar. Vor einigen Monaten wurde hier eine Ortsgruppe des Deu tsch na t i o na len Hand lungsgehilfen - Verbandes gegründet, dem gleich eine Anzahl junger Leute beitrat. Diesen „Heil" rufenden Jüngern Merkurs, die das ernste Bestreben haben, das geschäftliche Leben zu „entjuden", ist von ihren Prinzipalen — ausschließlich Nichtjuden — gekündigt worden. — Gelegentlich der Neichstagswahl erlebte män hier, daß. das konservativantisemitische Organ, die „Nordd. Presse", Front machte gegen — den Antisemiten. Als nämlich in letzter Stunde unter dem fadenscheinigen Mäntelchen der MiLtelstandsparteien eine antisemitische Kandidatur auftauchte, warnte das genannte Blatt die konservativen Wähler vor diesem Kandidaten, der ein Nadauantisemit nach Bruhn-Ahlwardtschem Muster sei. Auch nach der Wahl erhält der Antisemit noch den berühmten Eselstritt.