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Im deutschen Reich · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. 35

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Article
Berlin
Date
1912-01-01
Page
35 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 35 deshalb niedriger gehängt zu werden verdient, weil derartige antisemitische Beschimpfungen leitender Staatsmänner seitens einer sich mit ihrer monarchischen Gesinnung brüstenden Partei geradezu unerhört ftnD. Vielleicht belehren solche Ausfälle die in Preußen maßgebenden Kreise, welchen Dank sie von den. professionellen Judenfeinden weiterhin zu erwarten haben. Die „Staatsbürger -Zeitung" wirst dem Kanzler und Herrn, v. Kiderlen-Wächter „geringe Scheu vor der Anwahrheit" vor und sagt wörtlich: „Das war sonst nicht deutscher Staatsmänner Art. And wie hat das unbekümmerte Sichherausreden — einen schärferen Ausdruck möchten wir vermeiden — um sich gegriffen, seit der große, ehrliche Bismarck von uns gegangen ist! Bethmann beschuldigt den Staatssekretär Lindequist, daß aus seinem Amte heraus ein grober Vertrauensbruch begangen worden sei. Kurz darauf wird das eingeleitete Disziplinarverfahren wegen der völligen Haltlosigkeit der Behauptungen wieder eingestellt. Aber für den fünften Kanzler des Deutschen Meiches ist das kein Grund, im Reichstag oder, in der halbamtlichen Presse dem ausgeschiedenen Kolonialsekretär die Nichtigkeit des geäußerten Verdachtes zu bestätigen. — Dann Kiderlen - Wacht e r. Man kann es als festgestellt betrauten, daß er in der Angelegenheit gegen Rechtsanwalt Claß, den Vorsitzenden des Alldeutschen Verbandes, öffentlich die Unwahrheit gesagt und aus Grund dieser Anwahrheit einen scharfen Angriff gegen Claß gerichtet hat. — Dann das Kultusministerium! Herr von Trott zu Solz. Jedenfalls -ließen sich aus diesem Amte Dinge mitteilen, deren Kenntnis in der Oeffentlichkeit recht unliebsam berühren würde. Ls war behauptet, daß Goltz zur Gründung des Bundes I u n g - D e u t s ch l a n d sich eine Liste der einzuladenden Vereinigungen usw. im Kultusministerium hat aussertigen lassen. Das Kultusministerium dementierte. Es wurde bemerkt, daß die Sache natürlich keine „Offizielle" Leistung des Kultusministeriums gewesen sei. Das Kultusministerium leugnete abermals. Der Mann, der die Liste angefertigt hat mit absichtlicher Außerachtlassung aller völkischen Vereinigungen zur Jugendpflege, heißt Hintze und ist Geheimrat im Kultusministerium. Hintze ist als dicker Iudenfreund bekannt, aber deswegen mochte man ihn noch nicht ohne weiteres für einen Feind der Wahrheit halten. Es scheint, daß er auch das letztere ist. And für den Vorfall selbst ist ohne allen Zweifel von Trott zu Solz verantwortlich; denn er ist der Vorstand des Ministeriums. Wir haben also drei Männer an den höchsten deutschen Regierungsstellen, die sich nicht an die Wahrheit gehalten haben, wo sie ihnen unbequem sein mochte. Vielleicht erreicht man bei einem Wechsel der Personen

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