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Im deutschen Reich · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. 687

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Article
Berlin / A. L.
Date
1911-12-01
Page
687 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Korrespondenzen. 687 Tagung des Verbandes hier in Berlin vieles besser geworden und im Verlaufe der sechs Jahre die unselige antisemitische Bewegung nicht nur von der Straße verschwunden sei, sondern sich nahezu ganz verflüchtigt habe. Geblieben sei noch das berechtigte Verlangen der Juden, die ihre Bürgerpflichten treu erfüllen, ihre staatsbürgerlichen Rechte unverkümmert zu erlangen, geblieben auch nicht nur die Wünsche der Bevölkerung, die ein Teil immer gegen den andern haben wird, sondern auch die Hoffnung auf gegenseitige Annäherung und immer innigeres Zusammenwirken auf den verschiedensten Kulturgebieten. Dieses Wirken der jüdischen - Bevölkerung Berlins würdigte dann auch in herzlichen Worten der Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung, Michel et, der im Namen dieser Behörde den Verband begrüßte. Nachdem noch Justizrat Bernhard Breslauer im Aufträge des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Berlins gesprochen hatte, erstattete der Vorsitzende des Verbandes Justizrat Dt. H o r w i tz den Geschäftsbericht, in dem die Tätigkeit des Verbandes und seine Bestrebungen in ausführlicher Weise zur Darstellung gelangten. Darauf folgten drei eindrucksvolle Vorträge. Rabbiner Dt. B a e ck - D ü s s e l d o r f behandelte das Thema „Das Judentum unter den Religionen" und verwies dabei darauf, daß das Judentum jeden seiner Bekenner zum Priester zu machen suche, in steter Fortentwicklung begriffen und mit der freien Forschung zu vereinbaren, der Proselhtenmacherei aber durchaus abhold sei. — Landtagsabgeordneter Dr. Cohn - Dessau beleuchtete in seinem Vortrag „Der Staat und d i e I u d e n" die Behandlung der Juden durch den preußischen Staat, dem sie opferfreudig ihre Pflichten erfüllen, ohne dafür die volle Gleichberechtigung zu erlangen, während der Staat sie ihnen bereitwilligst biete, wenn sie in charakterloser Weise ihre religiöse Ueberzeugung verleugnen. Wenn die Juden anarchistische Elemente wie die Antisemiten bekämpfen, machen sie sich um den Staat verdient, und sie sind zu der Hoffnung berechtigt, daß sie dabei die Unterstützung aller gutgesinnten Mitbürger finden werden. — In einem feingeistigen Vorträge über „D a s deutsche Geistesleben und die Jude n" legte Prof. Dt. G o l d st e i n - D a r m st a d t die vielfachen Beziehungen dar, die zwischen christlichen und jüdischen Deutschen bestanden haben und noch bestehen, die Einwirkung der

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