Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-12-01
- Page
- 679 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 679 Für so hohe Ziele werden die jüdischen Fortschrittler gewiß, gern reichlich beitragen." Wenn sie dies Lun, so kann man es nur billigen, aber wenn die „Germania" annimmt, daß der „C e n L r a l - V e r e i n deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" für eine bestimmte Politische Partei bei den Wahlen oder auch sonst eintritt, ist sie auf dem Holzwege. Für uns gibt es nur eine Wahlparole: „Gegen den Antisemiten!" Wir entwickeln keine Tätigkeit, wo vorurteilslose politische Parteien miteinander im Wahlkampfe stehen; in diesem Falle überlassen wir es vollständig unseren Freunden, nach ihrer freien politischen Ueberzeugung ihre Partei zu unterstützen und ihre Stimme demgemäß aözugeben. Nur dort, wo ein erklärter Antisemit oder ein anderer Parteimann, der sich nicht für die volle Verwirklichung der Gleichberechtigung der Juden ausgesprochen hat, kandidiert, erklären wir es als Ehrenpflicht jedes deutschen Juden, mit aller Macht die Wahl eines solchen Kandidaten zu bekämpfen und für den aussichtsvollsten Gegenkandidaten einzutreten, auch dann, wenn er kein Parteigenosse ist. Das ist für die deutschen Juden eine Pflicht der Mannesehre, der Selbsterhaltung und eine deutsch-nationale Pflicht im edelsten Sinne dieses so oft mißbrauchten Wortes; denn wer einem Antisemiten direkt oder indirekt zu einem Mandate verhilft, der trägt dazu bei, „die Schmach des Vaterlandes" zu einer dauernden Einrichtung zu machen und den Weltfrieden zu gefährden. Die antisemitischen Anarchisten haben es gar nicht verhehlt, daß sie jetzt oder künftig die Ariegsfurie in Deutschland entfesseln wollen. Diesmal ist es ihnen nicht geglückt; sorgen wir im Verein mit unseren wohlgesinnten christlichen Mitbürgern dafür, daß sie keine Gelegenheit finden, wieder empor zu kommen! Den großen jüdischen Organisationen/insbesondere auch wohl unserem Central-Berein, ist in letzter Zeit zuweilen auch der Vorwurf der verpaßten Gelegenheiten gemacht worden, weil noch nicht alles Wünschenswerte erreicht wurde. Solche Kritiker unterschätzen die Schwierigkeiten der obwaltenden Verhältnisse; sie verurteilen eine Tätigkeit, ohne sich die Mühe zu geben, sie kennen und verstehen zu lernen. So hat sich z. B. kürzlich ein vr. H.'L. Eisenstadt, anknüpfend