Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Berlin
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 633 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 633 mächtigten Krankenanstalten gewahrt wissen wolle, könne leicht zur Willkür führen, indem Praktikanten nur ihres Glaubens wegen, wie in Britz und Lübeck, abgewiesen würden und sich Krankenanstalten suchen müßten, wo sie ihre Ausbildung beenden könnten. Wenn der Reichskanzler von dem „t onfess i on e l l neutrale it G ebiet der ärzt l i ch e n A u sbildnng" spreche, nt das er nicht eingreifen wolle, so sei gerade der Umstand, daß diese Neutralität in krasser Weise verletzt sei, der Grund, daß die Aerzteschaft ein Eingreifen fordere. Aber das „konfessionell-neutrale Gebiet" erscheine freilich in einem eigentümlicheil Lieht unter der Obhut der Staatsbehörden. An zahlreichen staatlichen medizinischen Instituten, z. B. der Kaiser-Wilhelnt-Akademie in Berlin, finde fein Studierender oder Assistent jüdischen Glaubens Zutritt. Ordentliche jüdische P rose s s o r e n de r Nt edizin würden nicht ernannt, nur selten Ureisärzte. Seit Jahren käme kein jüdischer Arzt in das aktive S a n i t ä t s o f f i z i e r k o r p s; aus Reisen nach Rußland seien sie den größten Schikanen ausgesetzt, ohne daß das mächtige Deutsche Reich ihnen Schutz gewähren könne. In den anderen europäischen Großstaaten genössen die jüdischen Aerzte volle Gleichberechtigung; bei ilns aber werde sie ihnen vorenthalten trotz des stolzen Wortes: „Preußen tu Deutschland voran, Deutschland in der Welt voran." In der Angelegenheit der Ntedizinalpraktikauten hat nunmehr der Geschäftsansschuß der Berliner ärztlichen Standesvereine dem Reichstag eine Petition unterbreitet, durch beu Bundesrat eine Aandernng des Wortlautes der Prüfungsordnung für Aerzte zu veranlassen, durch welche klar zum Ausdruck kommt, daß eine Z u r ü ck w e i s u n g v o n P.r a k t i k a n t e n a u s konfessionelle n G r ü n d e n n icht stattfinden dar f. — Die „Bossische Zeitrnrg" ve rave ist aus nachstehende Veröffentlichung des Professors Dr. v. H a n s e m a n n in der „Berliner Klinischen Wochenschrift": „Im vorigen Jahre ivarnte der K a p l a n V o r in lv a l d aus S e l i g.e n st a d t, der gleichzeitig Froschhausen in Hessen geistlich versorgt, öffentlich vor deur jüdischen Arzt Dr. Steinhauer und riet den Leuten, den katholischen Arzt zu nehmen. Hierüber zur Rede gestellt, erklärte der Kaplan, er suche alles Pro-