Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Die Juden und das Wirtschaftsleben
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 615 (sequence 8)
- Language
- German
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Juden, kapitalistische Gesinnung, Zielstrebigkeit. 615 anhäufung Leichter zu überwinden waren, Verkehrs- und gesellschaftliche Beziehungen wiesen die Juden eng aneinander an. Soziale und religiöse Gegensätze bildeten eine Kluft, die auch die Ausnahme anderer Berufe infolge dauernder gegenseitiger Reibungen erschwerte. Die meisten Berufe halten an einem Punkte fest — Ort, Zeit, Menschen —, immer das Gleiche. Gegensätze werden da zur ständigen Tragödie des Tages. Der Handel ist beweglicher, führt dahin und dorthin, vermindert dadurch die Reibungsflächen. Wenn heute dem Kulturmenschen des 20. Jahrhunderts die jüdisch-religiösen Vorschriften starr und steif und umklammernd erscheinen, so darf man das volkspsychologische Moment bei ihrer Ausrechterhaltung in der Diaspora nicht außer acht lassen. Die Religion ist sicherlich als der Kitt betrachtet worden, mit dem die zersprengten Teile des vertriebenen Volkes zusammengehalten werden sollten. Die Messiasidee — die Hoffnung auf Rückkehr in das alte klassische Land — hat sich lange als religiöse Idee erhalten. Theodor Herzl versuchte eine politische daraus zu gestalten. Die Gesetzgebung der Juden war (wie Zollschau in seinem bereits erwähnten Merke, dem auch die folgenden. Notizen entnommen sind, hinweist) lange dem Handel und der Geldleihe feindlich. Die Propheten sprachen von dem „Krämerland" und der „Kaufmannsstadt" Babylon. Die Juden waren in Palästina Ackerbauer, in Babylonien Kaufleute, in den Städten der griechischen Diaspora Handwerker. Im mittelalterlichen Sizilien gehörten die Bankiers nicht der dort zahlreich ansässigen jüdischen Bevölkerung an. Im späteren Mittelalter waren die Färberei in Süditalien, die Seidenweberei in Griechenland jüdische Gewerbe. In Tyrus waren die Juden zur Zeit der Kreuzzüge vielfach Glasbläser. In Lodz sind die Textilarbeiter, in Boryslaw die Grubenarbeiter fast sämtlich Juden. In den New Iorker „Schwitzwerkstätten" sind die Juden in großer Zahl Industriearbeiter, in Odessa Lastträger, rn Saloniki Dockarbeiter und Bootsleute, in Amsterdam Diamantenschleiser, in arabischen Gegenden Waffenschmiede. Als vor einigen Jahren die Judenauswanderung aus Rumänien anfing, stockte plötzlich in Jassy und Bukarest das Baugewerbe, weil es dort fast nur jüdische Maurer und Dachdecker gegeben hatte. Im Gouvernement