Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Article
- Berlin
- Date
- 1911-10-01
- Page
- 567 (sequence 2)
- Language
- German
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Üvrrespoiidenzen.;"() / auftretcnbc § it b e n i) e % e öffentlich ver w a h r L hatte und eine scharfe Verordnung gegen diejenigen städtischen Lehrer erlassen hatte, die diese traurige Hetze auch in die Schulen zu tragen versuchten. Der damalige Kronprinz Friedrich, ebenso die Kronprinzessin hatten sich gleichfalls gegen diese Bewegung erklärt: Sie erschienen mit ihrem Hofe bei dem Vortrage meines Mannes über Lessings Nathan, in dem er, wenn auch nur indirekt, die großen Gedanken des Dichters mit denen der Gegenwart in Verbindung brachte. Der Kronprinz ließ damals meinen Mann zu sich kommen, um ihm für den Vortrag zu danken und ihm seine Befriedigung für sein Vorgehen a u s z u d r ü ck e n. Das war Grund genug, die Methode der Verdächtigung auch aus meinen Mann zu übertragen. Als sie in Szene gesetzt wurde, lag er auf einem hoffnungslosen Krankenlager. Sb die Stöckerpartei das gewußt hat oder nicht, entzieht sich meinem Urteil, ist auch gleichgültig. Genug, der Sterbende hörte trotz all meiner Vorsicht noch von der Verunglimpfung seiner Familie und überließ uns die Rechtfertigung. Ich aber vergaß die Beschmutzung eines reinen Namens nicht und wollte sie nicht vergessen. Einige Jahre später, als ich im öffentlichen Leben stand, nur meine Kräfte in den Dienst der F r a u e n b e w e g u n g zu stellen, fand ich Plötzlich eine Notiz in den Zeitungen: „D i e R e d n e r i n Frau Ca u er v e r s ch w e i g t aus Bescheidenheit ihr e n w a h r e n N a m e n, — s i e heißt n ä m l i ch F rau Irak a u e r." D e m S töcker - S r g a n „D a s Bol k", so hieß es, s e i d i e s e Notiz e n t n o m m e n. Wohl wußte ich und mit mir viele, daß die christlich-soziale Stöcker-Partei die Frauenbewegung mit Stumpf und Stiel auszurotten sich bemühte. Um das besonders wirkungsvoll zu gestalten, suchte man die ganze Bewegung, vor allem die neu anftauchende fortschrittliche Strömung, Ende der achtziger Jahre, zu einer rein jüdischen zu stempeln. Man glaubte in der damaligen Hochflut der Judenhetze sie dadurch zu diskreditieren, womöglich sie zu vernichten. Die Notiz über meine „Bescheidenheit" wurde mich, ivenn ich mich wirklich einer solchen Heuchelei schuldig gemacht hätte, mit Recht bei Inden und Christen völlig unmöglich gemacht haben.