Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1911-10-01 · Heft 10 (Oktober 1911) · p. 566

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 10 (Oktober 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-10-01
Page
566 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316804-2316814--21955-2345283
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Im deutschen Reich. Förderer am Hofe gelegen war. Derartige Staatsmänner find mit ihrer angeblichen nationalen Gesinnung in Wirklichkeit das größte nationale Unglück. Die Juden haben im Laufe der Jahrhunderte durch ähnliche Staatsmänner Schweres gelitten; sie wurden aber vielfach aus Andringen der städtischen Verwaltungen, dort, wo man sie ausgewiesen hatte, wieder zurückgerusen, wenn eine widersinnige Staatskunst den Staat nahezu zugrunde gerichtet hatte. Daß das wahnsinnige 'Arientat auf Stolppin, das der Polizeiagent Bagrow dieser Tage verübt hat, nur diesem verfehlten System zu längerer Dauer verhelfen wird, ist leider vorauszusehen. Die russischen Nationalisten, die selbst dem Minister nicht gewogen waren, werden aber die Tat zum Nachteil der Juden ausnutzen, wenn auch Bagrow, dessen Großeltern Juden gewesen sind, sich nicht mehr zum Judentum bekannt hat. Uebrigens ist an Männern von der Gesinnung Stolypins in Rußland kein Mangel; die Despotie wird auch nicht durch Meuchelmord gemildert, sondern nur verschärft. A. L. * Korrespondenzen. * VerUrn, 25. Septbr. Unter der Ueberschrist „Aus der Z e i t d e s A n t i s e m i t i s m u s" hat Frau M i n n a C a u e r kürzlich in der Zeitschrift „Das freie Volk" Erinnerungen veröffentlicht, die den Charakter des ehemaligen Hospredigers Stöcker in einem grellen Lichte erscheinen lassen. Frau Cauer berichtet: „Stöcker gegenüber beherrschte mich etwas aus einer unendlich schweren Erfahrung heraus. Es war Anfang der achtziger Jahre, als eine Notiz durch die Zeitungen ging, daß von Stöckers Seite aus behauptet würde, der Verkauf der Cauerschen Anstalt in Charlottenburg wäre nicht in der lautersten Weife vor sich gegangen. Die Anstalt gehörte dem Vater meines Mannes, der sie gegründet hatte, und die nach seinem Tode eine Zeitlang von der Witwe weiter verwaltet wurde. Die Dokumente lagen vor, daß alles rechtlich und in größter Ordnung sich vollzogen hatte. Die Stöckerpartei ab e r w o l l t e sich durch solche B e r d ü ch t i - g u n g e n a n m eine m M a n n r ä ch e n, d e r a l s S t a d t - s ch u trat v o n B e r l i n s i ch g e g e u die da m a l s st a r k

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.