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Im deutschen Reich · 1911-10-01 · Heft 10 (Oktober 1911) · p. 562

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 10 (Oktober 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-10-01
Page
562 (sequence 3)
Language
German
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562 Im deutschen Reich. erklärt, sie müsse gegen die „jüdische Jnternationalität" auf Tod und Leben kämpfen, erinnert dies nur an Don Quichotes Kampf gegen Windmühlen. Die deutschen Juden sind weit davon entfernt, die Religion mit der Politik zu verquicken. Ganz abgesehen davon, daß sie bei ihrer geringen Zahl kaum eine Erfolg verheißende parlamentarische Sonderbildung erreichen könnten, entspricht es gar nicht ihren Wünschen, ein jüdisches Zentrum zu schaffen. Der deutsche Jude wählt ausschließlich nach seiner freien politischen Ueberzeugung die Partei, der er sich anschlieht und die er nach Kräften unterstützt. Daß er sich von den Fraktionen fernhält, die seinen Anschluß nicht wünschen, oder deren Erfolge die vollständige Verwirklichung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung hemmen, ist selbstverständlich. Nur die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber. Wenn die Juden von den politischen Parteien, denen sie angehören und die sie zu fördern stets bereit sind, verlangen, daß sie auch Juden zu Reichstagskandidaten nominieren, so ist ihnen dies nicht zu verübeln. Es gibt eine Reihe, von Punkten, die durch einen jüdischen Abgeordneten in weit sachgemäßerer Weise behandelt werden könnten, als das einem Nichtjuden möglich ist. So werden, um nur ein Beispiel aufzuführen, in Schüchtsachen seitens der Antisemiten so viele unsinnige Behauptungen aufgestellt, daß zur Würdigung und event. Widerlegung aller dieser Dinge fast schon nun Studium gehört. Wer von Kindheit auf an diese Kämpfe gewöhnt ist, beherrscht die Sachen leichter als jemand, dem sie neu entgegentreten. So gibt es eine ganze Reihe von Punkten, deren Erledigung durch die Aufstellung eines jüdischen A bgeordnete n wesentlich gefördert wird. Es ist bedauerlich genug, daß diese Kandidaturen in dev Praxis sich bei'den bürgerlichen Parteien bisher schwer durchgesetzt haben, und es muß mit einer gewissen Beschämung bemerkt werden, daß eine verhältnismäßig große Anzahl von Renegaten bisher schon auf den Schild als Kandidaten für den Reichstag erhoben wurden, während die Zahl der Juden gering geblieben ist.

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