Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Article
- Der Reichskanzler über die Zurückweisung jüdischer Medizinalpraktikanten
- Date
- 1911-10-01
- Page
- 559 (sequence 2)
- Language
- German
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Xer Reichskanzler über die Znrnck'.neisnng usw. r, o Auf Grund der Beschlüsse aller preußischen Aerztekammern hatte der Aerztekammerausschuß eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet, amtlich zu publizieren, daß es unstatthaft sei, das Ersuchen eines Praktikanten um Beschäftigung in einer Krankenanstalt aus konfessionellen Gründen abzulehnen. Besondere Wünsche konfessioneller Krankenhäuser müßten in dem amtlichen Verzeichnis besonders bemerkt werden. Darauf hat der R e i ch s k a n z l e r geantwortet: „Zu einem behördlichen Eingriff in die den Kandidaten wie den Anstalten eingeräumte, wechselseitige Freiheit von Meldung und Annahme scheint mir um so weniger Veranlassung vorzuliegen, als die Zahl der in Preußen vorhandenen Praktikantenstelle)! diejenige der geprüften Kandidaten um weit mehr als das Doppelte übersteigt und es daher jedem Kandidaten möglich sein dürfte, eine feinen berechtigten Wünschen entsprechende Praktikantenstelle zu finden. Ein behördliches Vorgehen im Sinne der Eingabe würde nur.dazu beitragen, auf dem seinem Wesen nach konfessionell neutralen Gebiete der ärztlichen Borbildung konfessionelle Gegensätze zu schaffen oder zu beleben. Ich möchte daher von einem Vorgehen in dieser Richtung absehen." Der Kultusminister (s. oben) rügt die Zurückweisung aus konfessionellen Gründen bei allgemeinen Anstalten, er konzediert eine Zurückweisung bei konfessionellen Anstalten, setzt dann aber einen dahingehenden Vermerk im Verzeichnis voraus. Die A e r z L e k a m m e r it wünschen ganz in dem Sinne des Kultusministers eine Publikation des Reichskanzlers. Und der R e i ch s k a u z l e r? Ihm wird geklagt, daß in Britz und Lübeck in unerhörter Weife konfessionelle Gegensätze geschaffen sind. Er spricht in wunderschöner Weise von „dem konfessionell-neutralen Gebiete der ärztlichen Vorbildung". Man sagt ihm: Die Neutralität ist aber verletzt, die Gegensätze sind geschaffen. Er antwortet: Ich will keine Gegensätze. . Man sagt ihm: Es ist ein ungesetzlicher und m\* würdiger Zustand, daß jüdische Mediziner herumbetteln sollen, bis ein Krankenhaus ihnen die Pforten öffnet.. Er