Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Article
- Marokko und "kaiserliche Schildträger"
- Date
- 1911-10-01
- Page
- 554 (sequence 2)
- Language
- German
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554 Im deutschen Reich. bis auf die Knochen, und also kann man es von Zeit zu Zeit in allen völkischen, wahrhaft nationalen Blättern lesen. Die Epistel ist immer dieselbe, nur mit ein bißchen anderen Worten: Die frechen Juden, die hier Gastrecht genießen, wagen es, an deutschen Einrichtungen Kritik zu üben und sie in den 'Schmutz zu ziehen; wir — Antisemiten — sind berufen, deutsche Art und deutsche Ehre vor dieser Horde von Fremdlingen zu schützen! Heuchler! Maulhelden! Dieser Sorte von Schreiern, die das allein echte Deutschtum und den einzig wahren Patriotismus in Erbpacht genommen haben, kann nicht oft genug die Maske von dem gleißnerischen Antlitz gezogen werden! Hierzu einige Beiträge.; Die Marokkofrage steht im Vordergrund. Die Regierungen verhandeln und fordern, daß der Gang der Verhandlungen in Ruhe ab gewartet werde. Die Völkischen aber ziehen in teutonischer Wut gegen den Kaiser los, in einem derartigen Ton, daß wir hier nur die zahmsten Expektorationen wiedergeben können: „Es hat keinen Zweck, die Tatsache unerwähnt zu lassen, daß es auch diesmal der Kaiser gewesen sein soll unb ziemlich fraglos auch in Wirklichkeit gewesen ist, dem man diese . . . . Politik verdankt. . . . Er hat sich mit Gesellschaftern und Beratern umgeben, die zum größten Teile nicht einmal deutschen Blutes sind, darum auch kein Wehen deutschen Geistes in sich spüren, und die nur berührt werden von ihren internaLionalistischen Händlerinteressen. ... In den Besten droht allmählich die Hoffnung zu ersterben, daß die Dinge unter der Regierung des fetzigen Kaisers noch einmal anders werden könnten, daß noch einmal Mannhaftigkeit, schlichter Geradsinn und Ablehnung alles volksfremden Wesens an unseren oberen Stellen die Ideale werden könnten, aus denen sich die deutsche Tat baut." So schreibt nicht etwa ein Anarchistenblatt, sondern ein Organ des ^0^ der Landwirte, der Antisemiten, das nicht genug in unflätigen Ausdrücken auf die Juden schimpfen kann, die „Thüringer Laudeszeituug", die von „unbezweifelbarem vaterländischen Denken" erfüllt ist, wie sie sich selbst attestiert. ©in „kaiserlicher Schildhalter". In ähnlichem Ton