Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 9 (September 1911)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1911-09-01
- Page
- 521 (sequence 6)
- Language
- German
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Bereinsnachrichten. 521 Äeußerung zeigt sich ein bedauerlicher Mangel objektiver Gesinnung und wahrer Erkenntnis der Sachlage. Dem Verfasser ist sehr wohl bekannt, daß die „Berliner Morgenzeitung" christliche Redakteure hat und daß, selbst wenn sie einzelne jüdische Redakteure hätte, der Gebrauch des Ausdrucks „Judenblatt" ganz unangemessen wäre. Wer das Amt eines Chefredakteurs einer Zeitschrift, die Armen und Kranken dienen soll, bekleidet, sollte in erster Reihe unparteiisch und gerecht sein. — Der Lehrer Gustav H e f s k e an der Fortbildungsschule in Lütgendortmund geriet über den Umstand, daß ein jüdischer Schüler, der holländischer Staatsangehöriger ist, seinen Federhalter vergessen hatte, in solche Aufregung, daß er ihn aus der Klasse wies und in Gegenwart sämtlicher Schüler die Worte gebrauchte.- „Was hat der dreckige Jude hier zu suchen?" Auf Grund dieses Vorfalls hat der Vater des Knaben gegen den genannten Lehrer Privatklage wegen Beleidigung erhoben, deren Ergebnis die Verurteilung des Lehrers zu 20 M. Geldstrafe bildete. — Bei der Strafabmessung wurde als strafmildernd berücksichtigt, daß sich der Lehrer vorher entschuldigt und auch nochmals in der Hauptverhandlung sein Bedauern ausgesprochen hatte. — Der Gastwirt Potenber g in Binz hat vor seinem Gasthofe in auffälliger Weise zwei Schilder angebracht, welche in der Nähe des Bahnhofs allen Gästen des Badeortes verkünden, daß Herr Potenberg sich israelitischen Besuch verbittet. Eine Beschwerde au den Landrat hatte den Erfolg, daß Herr Potenberg sich den Besuch jüdischer Gäste nur noch höflichst verbittet, da dann die beleidigende Form offenbar nicht mehr vorhanden ist. Die Behörden stehen somit dieser offenkundigen Beleidigung sämtlicher jüdischen Badegäste machtlos gegenüber. Diese Badegäste dürfte es aber interessieren, daß die Bewohner von Binz Herrn Potenberg in die Gemeindevertretung gewählt haben, obwohl er wegen ungebührlichen Betragens aus seinem Amte als Steuermann der Hainburg-Amerika-Linie entlassen worden ist. — Um wiederholte Verwechslungen zu vermeiden, machen wir unsere Leser darauf aufmerksam, daß in Schierke nur die von uns ausdrücklich bezeichneten Hotels und Pensionen