Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 428 (sequence 2)
- Language
- German
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428 Im deutschen Reich. schichten können sie ihre Herrschaft behaupten; dazu wärmen sie uralte Ritualmordlügen auf. Die Wortführer des Antisemitismus, des „Sozialismus der Dummen", rechnen eben damit, daß die Dummen nie alle werden. Sie irren sich aber; die Nacht weicht doch dem Sonnenlicht, die geistige Umnachtung dem geistigen Fortschritt eines Kulturvolkes, denn die Natur kennt keinen Stillstand. Zeitweilige Hemmungen bewirken nur eine Ansammlung von Kräften, die nach längerer Frist nur mit größerem Ungestüm vorwärts drängen und selbst solche mit sich treiben, die sich vorher der Bewegung entgegengestellt haben. Der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg hat im Reichstag bei der Beratung des elsaß-lothringischen Verfassungsentwurfes den festen Willen bekundet, sich nicht weiter von den Kreuzzeitungs-Konservativen gängeln zu lassen, nicht rückwärts, sondern vorwärts schreiten zu wollen. Er verschmähte nicht ben Beistand der äußersten Linken, um eine Regierungsvorlage durchzubringen, die dem Reichslande das allgemeine Wahlrecht zugesteht und trotz des vorausgegangene;: Widerspruchs des konservativen Abg. Winkler bestimmt, daß ein Vertreter der israelitischen Religionsgemeinschaft der Ersten Kammer angehören soll. Im Laufe der Verhandlung erklärte der Staatsmann, der bisher völlig den Wünschen der Hintermänner der „Kreuz-Ztg." und der „Deutschen Tageszeitung" zu entsprechen schien, unter dem stürmischen Beifall der Linken des Reichstages: „Sie wollen auf einem Standpunkte stehen bleiben, der seit dem Jahre 1879 unverändert besteht. Ich halte es für notwendig, einen Schritt vorwärts zu machen. Die Zukunft wird lehren, ob diejenigen, die st i l l st e h e n bleiben wollen, oder die, welche vorwärts gehen. Recht haben. Und ich wüßte nicht, wie ein entschlossenes Vorwärtsgeheu sich mit den preußischen Traditionen, die ich ebenso hoch bewerte wie irgendeiner in diesem Saale, irgendwie in Widerspruch setzte." Der Wahn, den Aufschwung der Sozialdemokratie durch Förderung der antisemitischen Partei Hemmen zu können, wird schwinden. Hat je ein Blatt der äußersten Linken die monarchische Gesinnung ärger zu schädigen gedroht als der Antisemiten-Moniteur, der in einer Notiz