Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Der Geldhandel der deutschen Juden während des Mittelalters bis zum Jahre 1350
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 411 (sequence 5)
- Language
- German
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Der Geld Handel der deutschen Juden usw. 411 liche Bevölkerung mit jüdischen Geldgebern zum mindesten nicht schlechter stand als mit den christlichen. Ja, vielfach hat man sogar die Juden bevorzugt und ihnen das Prädikat „nützlicher Bürger" gegeben, die dem „gemeinen Manne unentbehrlich" seien. Auch das Bild der geschlossenen jüdischen Wucherzunft verschwindet Lei der Betrachtung der jüdischen Geldhändler-iOrganisationen und erweist sich als eine Vertretung gemeinsamer Interessen, sei es der Geldhändler unter- oder gegeneinander, sei es außerhalb der jüdischen Gemeinden. Der Geschäftsbetrieb war natürlich sehr verschieden geartet; besondere Erwähnung verdient die Tatsache, daß es sich nicht immer nur um Darlehen, Beleihung von Pfändern, Begebung zweifelhafter Forderungen handelte, sondern daß auch, und recht häufig, der Jude nur als der kundige Finanzverwalter herangezogen wurde. * Von Interesse ist es, zu hören, daß auch zahlreiche Frauen sich mit Geldgeschäften befaßten. Für die gerechte Beurteilung des jüdischen Geldhandels müssen noch zwei Momente im Auge behalten, werden, die manche Klagen über den Wucher der Juden aus ihr rechtes Maß zurückführen. Es darf nicht das ungeheure Risiko vergessen werden, dem der Jude als Geldhändler ausgesetzt war, nicht allein infolge der an sich rechtlich sehr unsicheren Zeiten, sondern ungleich mehr noch infolge der Vertreibungen iund Bedrückungen, denen er in jenen Zeiten ausgesetzt war, der Zinsaufhebungen und Schulderlasse, die im 11. Jahrhundert begannen, immer regelmäßiger wiederkehrten und oft genug dahin führten, daß mit einem Schlage der gesamte Besitz einer ganzen Gemeinde verloren ging. Und schließlich darf der Jude auch die Anerkennung der nicht selten bedeutenden Hilfe verlangen, die er mit seinen Geldschätzen geleistet hat, einer Hilfe, die in gleicher Weise von Geistlichen, Kirchen und Klöstern, wie von den Adligen und Fürsten und von den Städten und Bürgern in Anspruch genommen wurde. Alles in allem: so manche Aufklärung, manche Richtigstellung bietet die eingehende BeirachLung des jüdischen Geldhandels im Mittelalter. Die vorliegende Schrift belegt ihre Behauptungen mit so zahlreichen Zeugnissen, daß ihre