Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die Stellung der Juden im Heere
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 401 (sequence 9)
- Language
- German
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Ein offener Brlef. 40 l Die Versammlung erhebt Widerspruch gegen diesen verfassungs- und gesetzwidrigen Zustand und spricht die Erwartung aus, daß es den maßgebenden Stellen gelingen wird, diese beschämende und niederdrückende Ungerechtigkeit zu beseitigen und das Gesetz zur Durchführung zu bringen. Der Vorsitzende Or. Mainzer schloß die glänzend verlaufene Versammlung mit einer nochmaligen Aufforderung zur Organisation im Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. * Sin offener Brief. Frankfurt, im Mai 1911. Liebe Marianne! Also einen so mächtigen Eindruck hat Dir die Versammlung gemacht, in der die Zurücksetzung der Juden im Heere behandelt und im Anschluß daran die Pflicht aber auch das Recht des Judentums in so schlichter, eindringlicher und gerade darum fortreißender Weise gekennzeichnet wurde. Das freut mich, und noch mehr freut es mich, daß die großzügige Demonstration Dir Anlaß zu der Frage wurde, was denn wir Frauen in diesem Kampf um das Recht des Judentums tun können und tun sollen? Was wir tun können? Viel! Sehr viel! Vielleicht das beste und wichtigste. Wir Frauen sind doch Mütter. Und wir sind die Erzieherinnen unserer Kinder. Wir geben den jungen Seelen das erste und darum nachhaltigste Gepräge. In unsere Hand ist Heil und Unheil gegeben, Lebenszuversicht und Lebensverdrossenheit in einem weit umfassenderen Sinne als die meisten von uns sich träumen lassen und die. wenigsten sich klar machen. Eine große Verantwortlichkeit ist uns damit gesetzt, eine Verantwortlichkeit, die uns zu allererst die Frage aufnötigen muß, ob wir ihr gewachsen, ob wir alleweg reif dafür sind. Die Antwort ist ein Nein! Nicht auf der jüdischen Linie! Allüberall!