Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die Teilnahme jüdischer Kinder am christlichen Religionsunterrichte
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 383 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Teilnahme jüdischer Kinder njw. 080 luelt des christlichen Hauses, für das sein Unterricht allein bestimmt ist, Rücksicht nehmen können. Die Möglichkeit, all dieses vor den Ohren jüdischer Kinder darzulegen, kann dem christlichen Lehrer keinen besondere:! Respekt vor jüdischen Eltern abnötigen, die ihre Kinder ohne Bedenken solchen ihrer Genreinschaft doch fremden Gedankengängen und Lehren aussetzen. Wenn manchmal mit Recht darüber geklagt wird, daß christliche Lehrer in ihren Aeußeruugen nicht immer genügende Rücksicht auf das Empfinden jüdischer Kinder nehmen, so frage man sich doch einmal, ob dem Lehrer das Verletzende solchen Tuns so recht zunr Bewußtsein kommen kann, ob ihm in schöneren Fällen das Ungebührliche mit Nachdruck und erwünschter Wirkung vorgehalten werden kann, wenn er zugleich sieht, daß beim christlichen Religionsunterricht, wo doch die Natur des Gegenstandes keine besondere Rücksichtnahme auf das Empfinden jüdischer Kinder gestattet, letztere zugegen sind, auf den Wunsch ihrer Eltern, ohne jede Beeinflussung seitens der Schule. Aber auch aus die Gemüter der kleinen jüdischen Schüler und Schülerinnen kann eine solche Teilnahme an einem Religionsunterricht, der nicht für sie berechnet ist, nur verwirrend wirken. Da, wie eben ausgeführt, rein christliche Vorstellungen sicher schon von Anfang an den Unterricht in der biblischen Geschichte beherrschen oder zum mindesten häufig ergänzen, kommen unsere Kleinen ganz von selbst dazu, eine teilweise christliche Glanbensrvelt in sich anfznnehmen. Diese bringen sie mit ins Elternhaus zurück, und dann gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder die jüdischen Eltern weisen ihr Kind darauf hin, was es gläubig hinzunehmen habe, was nicht, sie bringen mit anderen Worten eine nicht wünschenswerte Unruhe ins kindliche Innenleben hinein, oder, was sicher wenig würdig ist, sie ziehen sich ans der unbequemen Sachlage durch ein bequemes laissei' aller und überlassen es dein späteren jüdischen Religionsunterricht, den christlichen zu korrigieren und damit die Verwirrung etwas später einsetzen zu lassen. Bei alledem kann man dann noch von Glück sagen, wenn die Teilnahme am christlichen Unterricht nicht in die leicht empfänglichen Gemüter der Kleinen den ersten Keim zu einer niedrigeren Wertung der eigenen