Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die Teilnahme jüdischer Kinder am christlichen Religionsunterrichte
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 382 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. die bei einem genügend entwickelten Stolz, bei einen: lebhafteren Gefühl für Würde unmöglich wären. Hierzu rechne ich auch die in meiner engerer: Heimat und wohl auch sonst in Deutschland vielfach verbreitete Gewohnheit jüdischer Eltern, ihre Kinder in den erster: Schuljahren am christlichen Religionsunterricht teilnehrnen zu lassen, mit der Begründung, daß ja doch nur das Alte Testamen: besprochen werde. Vergegenwärtigt man sich, daß es sich hierbei durchaus nicht größtenteils urn solche jüdische Eltern handelt, die ihre Zugehörigkeit zurr: Judentum als Last empfinden, sondern rneift um Männer und Frauen, die der jüdischen Gemeinschaft sich keineswegs entfremdet fühlen, so ist die Hofsnung berechtigt, daß ein Appel! ar: den Stolz, eine Warnung vor Gedankenlosigkeit, die sich der Folgen.ihres Tuns nicht gerrügend bewußt ist, in di e s e n B l ä t t e r u n i ch t i: r: g c h ö r t v e r h a l l c r: rv erd e. Wir Juden nn'issen ganz besonders vorsichtig sein, iuir miissen um so stolzer, im: so zurückhaltender sein, je u:ehr noir noch tagtäglich es empfinden müssen, wie ein Teil des deutschen Volkes uns gesellschaftliche Gleichberechtigung vorenthält, und mit der Energie in der Verteidigung und-Durchsetzung der uns durch Verfassung und Gesetz verbrieften Rechte muß sich eine ängstliche Scheu vor Handlungen verbinden, die unfern: Stolz, unfern: Selbstbewußtsein, unserm Takt kein gutes Zeugnis airsstellen. Geben nur uns selbst unsere Stellung, so wird sie uns auf die Dauer von unseren Gegnern nicht vorenthalten noerden. Wenn es zutrifft, daß im ersten. Schulhalbjahre das Alte Testament Gegenstand des christlichen Religionsunterrichts ist, so ist doch kein Zweifel, daß der christliche Lehrer diesen Unterricht nur als Vorbereitung für de:: ihn: viel wichtiger erscheinende!: in: Renen Testament einpfindet und denngernäß handhabt, und es sind nicht die geringsten Garantien dafür vorhanden, daß der Lehrer nicht an geeignet erscheinender Stelle schon bei den Erzählungen :rnd Lehren des Alten Testaments auf das Neue als höherstehendes Hinweise, manche Begebenheit des Alten Testaments im christlichen Sinne auslege. Auch wird er beim Herannahen christlicher Feiertage wohl fast immer aus deren Bedeutung Hinweisen ::nd auch hierbei nur auf die Gedanken-