Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Unsere Propaganda
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 380 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316804-2316812-2344919--21686-2345000- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
380 Im deutschen Reich. Bevölkerung gestört, daß der Antisemitismus gar gestärkt werden könnte, wenn wir nicht ständig bemüht sind, möglichst im Verborgenen zu bleiben. Wer so denkt, der zeigt nur, daß er noch lange nichr reis ist für den Kampf, den wir führen, daß ihm auch jetzt noch mannhafte Selbstachtung mangelt, und daß ihm der richtige Blick für die Wirklichkeit fehlt. Es kann nicht oft genug betont werden, daß unsere Sache durchaus das Licht der Oeffentlichkeit verträgt — nicht bloß der jüdischen Oeffentlichkeit —, daß das Gewicht unserer Gründe, die Ge rechtigkeit unseres Kampfes für Wahrheit, Recht und , die Interessen des gemeinsamen Vaterlandes jeder Kritik Stand hält! Tie übergroße Mehrheit unserer christlichen Mitbürger besteht keineswegs aus blindwütigen Antisemiten, die nicht überzeugt sein wollen. Falsche Ansichten, überlebte Vorurteile in bezug auf irns und unser Wesen, über ttnsere Religion uub unser Fühlen sind es in erster Linie, die sie hindern, uns auch in politischer und gesellschaftlicher Hinsicht gerecht ztl werden, wie sie ja doch schließlich in anderen wichtigen Dingen unser Recht achten. Also fort mit dieser Christenscheu — sie ist unserer inv würdig und auch nicht begründet! Das zeigt sich schon in der kitrzen Zeit deutlich, seit der Central-Verein angefangen hat, in der angedeuteten Richtung planmäßig zu wirken. Der Gesamtvorstand unseres Vereins versendet nämlich seit langem die Vereinszeitschrift und auch sonstige Agitationsschriften regelmäßig an viele angesehene Christen. Wir wissen genau, daß das von keinem der Empfänger als aufdringlich empfunden wird — warum auch? wir appellieren ja nur an das Gerechtigkeitsgefühl und den gesunden Menschenverstand jener — und täuschen uns schwerlich in der Annahme, daß wir fast ausnahmslos aufmerksame Leser finden. Die guten Erfahrungen, welche wir bis jetzt gemacht haben, veranlassen den Gesamtvorstand, in dieser Weise noch energischer fortzufahren. Leider hindert uns auch hier der beklagenswerte Geldmangel, an dem wir stets kranken. Wo aber noch viel mehr geschehen muß, um unserer Sache in christlichen Kreisen Freunde zu gewinnen, das ist