Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Unsere Propaganda
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 377 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Unsere Propaganda. 377 damit nichts weiter erreichten als „Bewunderung über den Mut und die Geschicklichkeit der Redner". Der Nachteil liegt aber in Wirklichkeit viel tiefer. Denn Rite die Menschen nun einmal sind, spornt sie nichts so sehr an wie der Erfolg. Wäre es richtig, daß wir einen aussichtslosen Kampf kämpfen, so wäre alle unsere Mühe, die Massen aufzurütteln, vergeblich. Das Bewußtsein, das Gute um seiner selbst willen zu erstreben, mag zwar für einzelne ideale Menschen genügen, die große Menge können wir nur dann zu tätiger Mitarbeit heranziehen, wenn wir sie auch au den schließlichen Erfolg glauben lehren. Ist denn nun jener Pessimismus gerechtfertigt? Glücklicherweise können wir diese Frage durchaus verneineil. Wer die Zeichen der Zeit versteht, wer offenen kluges vergleicht, wie es gegenwärtig im Judentum aussieht und rhc es noch vor wenigen Jahrzehnten aussah, dem kann es gar nicht entgehen, welch ungeheurer Fortschritt bereits jetzt zu verzeichnen ist. Ich erinnere mich eines Ausspruchs, beu einst ein alter Rabbiner mir gegenüber tat: „Muß denn alles von den Rabbinern gemacht werden? Sie sind ein gebildeter Mann, .warum treten Sie nicht mit Jh res gleich en zusammen? Berufen Sie doch eine große Versammlung aus alten Ständen und nehmen Sie Ihre Angelegenheit selbst in die Hand, nur so kann es besser werden!" — Der verehrte Mann hatte recht. Damals gab es ein jüdisches Leben fast gar nacht. Keine Vereine, keine Versammlungen, keine politische Presse, in den meisten Orten kein ordentlicher Unterricht jüdischer Schüler, nirgends die geringste Sorge uni die schulentlassene Jugend. Die Masse der gebildeten Juden kümmerte sich um die Interessen der jüdischen Allgemeinheit wenig oder gar nichts je höher sie sozial standen, um so sorgfältiger waren sie in der Regel bemüht, nach außen hin ihr Judentum möglichst wenig zu betonen. Ihrer Weisheit letzter Schluß war: „Nur nicht die Aufmerksamkeit unserer christlichen Mitbürger zu sehr erregen!" So konnte der Antisemitismus ungehindert und beinahe ungestört seine frivolen Lügen über uns, seine ungeheuerlichen Beschimpfungen unserer Religion verbreiten, konnte auf diese Weise uns in den Angen der urteilslosen Volksmasse herabsetzen und