Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- Eine antisemitische Anrempelung im anhaltlichen Landtage
- Date
- 1911-06-01
- Page
- 328 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 326 Zeitungen verstanden werden, da in den religiösen Interessen dienenden Zeitschriften kein Wort hiervon enthalten sei. Nachdem der Abg. v. Trotha durch Zuruf bestätigt hatte, daß er im wesentlichen an das Berliner Tageblatt denke, entgegnen Dr. Cohn, daß die deutschen Juden weder korporativ noch im einzelnen auch nur den geringsten Einfluß auf das Berliner Tageblatt hätten. Sowohl der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wie auch andere Körperschaften der Gesamtheit der deutschen Juden hätten versucht, in dieser Hinsicht Einfluß auf das Tageblatt auszuüben. Diese Bestrebungen seien glatt zurückgewiesen worden. Es habe sich erwiesen, daß selbst die Führer der deutschen Juden keinerlei Einfluß auf die Leitung des Berliner Tageblatts besitzen. Herr Rudolf Mosse habe es dem Redner strikte abgelehnt, auch nur die geringsten Konzessionen zu machen. Wenn Herr Mosse diesen seinen politischen Standpunkt als deutscher Staatsbürger vertrete, so könne dies keineswegs allen Juden in die Schuhe geschoben werden. Redner, selbst teile diesen Standpunkt des Tageblatts nicht, und ebenso durste es auch dem Abg. v. Trotha bekannt sein, daß sogar in dem Konservativen Verein in Bernburg ein Jude sitze. Es sei eine antisemitische öde Unwahrheit, wenn immer dieselbe unrichtige Behauptung bezüglich der angeblich „jüdischen" Blätter aufgetischt werde. Der Oberst a. D. Gädke, ein waschechter Arier, habe auf das Berliner Tageblatt mehr Einfluß als Redner und alle feine jüdischen Freunde zusammen. Außerdem bringe aber auch das Tageblatt keinesfalls Angriffe gegen das Christentum als solches, sondern vertrete lediglich den auch von guten Christen, z. B. von dem Abg. Schräder geteilten Standpunkt der protestantische liberalen Richtung. Dies hätten auch Christen positiver Richtung, z. B. der Herr Oberst von Losch, dem Redner wiederholt bestätigt. Trotz des Leugnens des Abg. v. Trotha, daß er kein Antisemit sei, gebärde er sich in Wirklichkeit als eine Spezies der Antisemiten, die nicht urteilen nach dem, was der Mensch ist und leistet, sondern nach dem, als was er geboren ist. Wenn der Abg. von Trotha als guter Christ 600 000 deutsche Staatsbürger dadurch an den Pranger stellen zu dürfen glaube, daß er behaupte, bei ihnen feien Mädchenhandler