Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- Bericht des Vorstandes über seine Tätigkeit in der Zeit vom Februar 1909 bis Februar 1911
- Date
- 1911-06-01
- Page
- 322 (sequence 12)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 322 hat leider auch noch nicht ganz aufhören können. In einer Reihe von Fällen ist die jüdische Religion in der niedrigsten Weise beschimpft worden. Die diesbezüglichen Anträge bei der Staatsanwaltschaft haben Erfolg gehabt. Zwei der Redakteure sind bereits zu Gefängnisstrafen verurteilt worden, während das Verfahren in anderen Fällen noch schwebt. Die alte Erfahrung, daß, je aufmerksamer unser Verein ist und je schärfer er vorgeht, die Beleidigungen mehr und mehr schwinden, hat sich wieder bewährt. Im allgemeinen sind die rohen Beschimpfungen der jüdischen Religion gegen früher erheblich geringer geworden. 18) Allgemeines. Im allgemeinen wird darauf Wert gelegt werden müssen, daß in Zukunft noch immer mehr zur Heranziehung der Einzelpersönlichkeit, insbesondere durch Bekämpfung der sogenannten Leisetreterei, geschieht. Die vielen Erörterungen, ob es an einzelnen Plätzen mit dem Antisemitismus besser oder schlechter steht und ob sich die Entwicklung gegen früher überhaupt wesentlich günstiger gestaltet hat oder nicht, scheint uns gerade in bezug auf die praktische Arbeit zwecklos zu sein. Die Vereinsarbeit hat ergeben, daß nur die in demokratischem Sinne geleitete Tätigkeit des Central-Vereins seinen Bestrebungen förderlich sein kann. Der Einzelne muß davon überzeugt werden, daß er bei dem Ortsgruppenvorstand wie bei der Centrale jederzeit Rat und Hilfe findet, soweit zweifellos ein Angriff gegen das Judentum oder die Juden als solche vorliegt, daß es aber auch seine Pflicht ist, alle Beobachtungen, die er macht, zu. berichten und in den ihm offenstehenden Kreisen mit Energie seinen Standpunkt als deutscher Jude zu vertreten. Dieselben Erwägungen sind es auch gewesen, die den Vorstand veranlaßt haben, mit. Schärfe gegen die immer mehr zunehmende Taufe vorzugehen. Denn die Erfahrung, daß die getauften Juden -größtenteils Judenfeinde werden, daß sie als Ueberläufer ihren eigenen Stammesgenossen in den Rücken fallen, und daß sie durch ihre Charakterlosigkeit das Verhalten der Staatsbehörden den Juden gegenüber insofern beeinträchtigen, als die Behörden immer mehr und mehr zu dem Standpunkt kommen müssen, die Juden würden sich mit der Zeit doch schließlich Laufen lassen, war die Ursache, weshalb es der Verein hauptsächlich als Aufgabe seiner