Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- Bericht des Vorstandes über seine Tätigkeit in der Zeit vom Februar 1909 bis Februar 1911
- Date
- 1911-06-01
- Page
- 320 (sequence 10)
- Language
- German
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320 Jnr deutschen Reich. Wahlen den verderblichen Einfluß des D. H. V. zurückzudrängen. Aufgabe der Centrale kann natürlich lediglich sein, Anregungen zu geben, Geldmittel zu bewilligen und alle einschlägigen Anfragen zu beantworten. Die Organisation und die Wahlvorbereitung selbst wird immer den Ortsgruppen überlassen bleiben müssen. Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband könnte durch ein entschlosseneres Auftreten aller deutschen Juden in seiner verhetzenden Tätigkeit erheblich geschwächt werden. Von uns stets vorrätig gehaltene Flugblätter, ebenso die Flugblätter, die wir aus Anlaß des letzten Weihnachtsfestes wieder vielfach verbreitet haben, stehen den Ortsgruppen jederzeit zur Verfügung. Die bisher vielfach geübte Methode, durch Persönliche Rücksprache mit Geschäftsinhabern den Ausschluß jüdischer Angestellter zu verhüten, hat sich vielfach bewährt. In Fällen, in denen ein schärferes Mittel erforderlich war, sind wir zur Veröffentlichung geschritten. Die Veröffentlichung der Liste antisemitischer Zahnärzte und Apotheker hat zweifellos unfern Bestrebungen genützt. Wir waren uns immer darüber klar, daß der Boykott eine zweifellos sehr zweischneidige Waffe ist und haben aus diesem Grunde nur dann zu den schärfsten Mitteln gegriffen, wenn anders ein Erfolg nicht zu erzielen gewesen ist. Auch die Frage der Berufswahl der jüdischen Jugend ist ständig Gegenstand unserer Aufmerksamkeit gewesen imD wird es auch in Zukunft sein müssen. Die Begründung einer Selbständigkeit auf kaufmännischem Gebiete führt zu immer größeren Schwierigkeiten, und die Zahl der jüdischen Studierenden schwillt in den letzten Jahren fortgesetzt unheimlich an. Dabei sind die Erwerbsmöglichkeiten immer schlechter geworden. Wir haben deshalb die Gründung des Arbeitsamtes für jüdische Akademiker mit großer Freude begrüßt und können unsere Ortsgruppen nur ausfordern, alle ihnen bekannt werdenden Vakanzen uns miLzuteilen, damit wir durch das Arbeitsamt aus eine Besetzung durch Juden hinarbeiten können. Soweit die Erfahrung des Syndikus reicht, wird es sich empfehlen, daß die Stellen der mittleren Beamten, die den Juden meist ohne Schwierigkeit ofsenstehen, mehr augestrebt