Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / M.
- Date
- 1911-05-01
- Page
- 288 (sequence 3)
- Language
- German
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288 Im deutschen Reich. man den hervorragenden Anteilder deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens unterschätze. Das letzte Ziel deutscher Kultur müsse die Humanität sein. Mit Wärme erinnerte der Redner dann, daß schon vor der Anerkennung der Gleichberechtigung Moses Mendelssohn sich nicht nur eine Meisterschaft der deutschen Sprache erworben, sondern erfolgreich gegen die Franzosen-Nachäfferei in echtdeutschem Sinne gestritten, daß deutsches Wesen und Empfinden in den Werken Heinrich Heines und Berthold Auerbachs einen Poetischen, deutsche Kunst in Israels Bildern, in Messels Lauten einen sichtbaren Ausdruck gesunden habe. Die Bedeutung der Juden für den deutschen Handel und die Industrie stabe Sombart voll gewürdigt; was deutsche Juden für den Automobilismus, die Lustschisfahrt, die Kaliindustrie, die Rhederei, die Ausnutzung der Elektrizität, die Erschließung fremder Weltteile geleistet haben und noch leisten, sichere ihnen einen ehrenvollen Platz unter den deutschen Kulturträgern. Aber gerade der den Juden eigene Drang zum Fortschritt erbittere die Rückständigen, die dadurch ihre veralteten Vorrechte bedroht glauben; sie bekämpfen im Judentum eigentlich den Liberalismus und in verblendetem Haß schädigen sie dadurch die deutsche Kultur und ihr eigenes Streben im geistigen Wettbewerb. Den religiösen Fanatismus bezeichnete der Redner als unchriftlich, den Antisemitismus als Ausfluß heidnischer Instinkte. Das letzte Ziel der Kultur müsse nicht Glaubenseinheit, sondern Glaubensfreiheit sein. Der Rassenhaß sei widersinnig; weder die jüdische noch die christliche Bevölkerung Deutschlands könnte Rasseneinheit Nachweisen. Strenge Selbstzucht, eifriges Streben nach äußerer und innerer Freiheit würden allein die rückständige Bewegung hemmen und den Antisemitismus bannen können, der als ein Zerrbild der zeitgenössischen Kultur schon den Dichter Victor von Scheffel zu dem Wunsche veranlaßte, daß Deutschland behütet werde „v o r Rassen h a ß und Kl a s s e n - h a ß und andern Teuselswerke it". — In Düren fand am 5. Marz eine auch von Damen sehr stark besuchte Versammlung des C e n t r a l - Vereins statt. Nach einigen begrüßenden Worten des Versammlungsleiters, Herrn H e r in a n n L ö w e n st e i n, erhielt Herr vr. nreck. Fritz Baum aus Cöln das Wort zu seinem