Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-05-01
- Page
- 277 (sequence 13)
- Language
- German
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Umschau. 277 Reformer F röhl i ch, daß der freikonservative Abgeordnete von Dertzen mit den Juden gerneinsame Sache gemacht habe. Es wäre zu wünschen, daß die Konservativen und der Bund der Landwirte mehr als bisher den Antisemitismus in den Vordergrund treten ließen. Unbefangene dürften aber Wohl der Meinung sein, daß Herr Fröhlich sehr wohl mit dem Maße zufrieden sein könnte,- in dem Konservative und Agrarier sich mit dem Antisemitismus befassen. Insoweit unterscheidet sich ihr Antisemitismus von dem der Reformer und der Deutsch-Sozialen, daß er am Taufstein Halt macht. Die Antisemiten huldigen, ebenso wie dies seitens des Staates geschieht, der Annahme, daß der Jude, der zum Christentum Übertritt, die Brücken zum Judentum abbricht. Hier trennen sich die Wege. Herr Raab erklärte in seiner Marinehaus-Rede: „Die Zählung der Juden müßte nicht nur nach dem Religionsbekenntnis, sondern nach der Stammzngehörigkeit erfolgen; denn der Relrgronswechsel werde nur aus äußeren Gründen vorgenommen." Diesen Gedanken spinnt die „Staatsbürger-Zeitung" beständig weiter; sie sagt in einem „Juden als Beamte?" überschriebenen Artikel: „Die Taufe oder die Bereitwilligkeit, zum Christentum überzutreten, kann keinesfalls als Beweis dafür gelten, daß der betreffende Jude seinen Abstammungsverband aufgeben und vorbehaltlos Deutscher im staatsbürgerlichen Sinne werden will. Das Judentum betrachtet den getauften Juden noch immer als seinem Kreise zugehörig. Das ewweist aber dann natürlich auch, daß man im Judentum sicher ist, der jüdische Nationalverband wird durch die Taufe des Einzelnen nicht gelockert, sondern der getaufte Jude verrichtet für seine Stammesgenossen und deren geheime Zusammenhänge S p i o n a g e d i e n st e an der Stelle, an die der Jude ohne Taufe eben nicht dringen kann." — Daß die weitaus größte Mehrheit der deutschen Bürger jüdischen Glaubens keineswegs den getauften Juden noch immer als zu ihrem Kreise gehörig betrachtet, haben wir in Wort und Schrift bewiesen; das haben die von uns in verschiedenen Städten veranstalteten Versammlungen wider das Tanfjudentnm vor der breitesten Oeffentlichkeit kandgegeben.