Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- Der Verkehr mit Rußland
- Date
- 1911-05-01
- Page
- 258 (sequence 2)
- Language
- German
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258 Im deutschen Reich. Hörden, insbesondere viele Beamte in Kiew, übersandt wurden. Diesbezügliche Maßnahmen hatten sich in einer den deutschen Handel in Rußland schädigenden Weise vornehmlich gegen die deutschen Geschäftsreisenden jüdischen Glaubens gerichtet, die jüdischen Handlungsreisenden anderer Nationen, Engländer, Amerikaner u. a. m. aber weniger betroffen, weil deren Pässe keinen Vermerk der Religionszugehörigkeit aufweisen. Das Aeltestenkolleginm hatte darauf beschlossen, bei der Reichsregierung wegen dieser, Angelegenheit vorstellig zu werden. Am 31. März wurde dann im d e u t s ch e n R e i ch sLage bei der Beratung des Etats d e s R e i ch s! a nzlers diese Angelegenheit von dein Präsidenten der Aeltesten der Kaufmannschaft, dem Ubg. Johannes Kampf, in folgender Weise zur Sprache gebracht: „Im vorigen Jahre habe ich von dieser Stelle pus von dem Unwillen gesprochen, den die Behandlung deutscher Staatsangehöriger seitens der russischen Behörden erregt hat. Die Klagen sind nicht verstumme. Angesehene Deutsche in Rußland werden als Staatsbürger zweiten und dritten Ranges betrachtet und behandelt, einerseits durch Beschränkung des Aufenthalts, andererseits aber beziehen sich die Beschwerden auch auf oie Paßvorschrifteu. Der Staatssekretär des Auswärtigen hat im vorigen Jahre gesagt, daß aus den deutschen Pässen für Rußland keine Rubrik darüber sich befinde, ob der Paßinhaber Jude oder Christ sei. Das ist richtig; worüber wir uns beschweren, ist, daß deutsche Behörden dem Wunsch der russischen Regierung Nachkommen und Bescheinigungen darüber ausstellen, ob der Betreffende, der den Paß nachsucht, I u b e o d e r C h r i st i st. Die amerikanischen oder englischen Behörden kümmern sich nicht darum, ob jemand, der nach Rußland reisen will, Jude oder Christ ist. Auch die deutschen Behörden sollten das nicht tun. Es wäre auch interessant, zu erfahren, ob neuerdings der deutschen Regierung bekannt geworden ist, daß die Absicht der russischen Regierung, Aenderungen in der Behandlung der deutschen Staatsangehörigen in Rußland eintreten zu lassen, einen Fortschritt gemacht hat oder ob es bei dem frommen Wunsch geblieben ist."