Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 4 (April 1911)
- Article
- Berlin
- Date
- 1911-04-01
- Page
- 218 (sequence 2)
- Language
- German
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218 Im deutschen Reich. gustibus non est disputandum — aber daß die „Staatsbürger Ztg." oder ihr früherer Herausgeber, der jetzige Leiter der „Wahrheit", Sensation, Nervenkitzel und Aehnliches nicht erstrebt und etwa G e s ch m a d s beredt u n g erzielt habe, wird wohl niemaild ernstlich behaupten! — Unter der Ueberschrift „Die geheimnisvolle Z a h l 606" verhöhnt der „Berliner Börsen-Courier" die „Wahrheit" des Herrn Bruhn, die herausgesunden haben will, weshalb das Antilues-Präparat des Professors Ehrlich diese Zahl trägt. Der „Börsen-Courier" sagt: „Wie kommt der Mann ausgerechnet zu dieser Zahl? Die findige „Wahr- Heits"-Schnüfflerin weiß es. In der antisemitischen Romanserie des berüchtigten ehemaligen „K r e u z - Z e i t u n g"- Redakteurs Hermann Güdsche, der unter dem Pseudonym John Reteliff e schrieb, kommt in dem Bande „Biarritz", der auch die bekannte erdichtete Großrabbiner rede enthält, die noch heute in Rußland bei allen Pogroms eine Rolle spielt, folgende Stelle vor: „Dann führte er den Wanderer zu dem Grabstein von Anna Kohn (die Szene spielt auf dem Prager Judenkirchhof D. R.) und zeigt ihm die geheimnisvolle Zahl 606, die beweisen soll, daß Israel seine Toten hier schon seit 1200 Jahren begrub . . Der „Wahrheit" schaudert förmlich vor dem geheimnisvollen Zusammenhang dieser mystischen Zahl mit — 606 Ehrlich-Hata, die „alte Mären heraufbeschwört und kabalistische Reminiszenzen weckt." Vielleicht läßt sie sich das furchtbare Geheimnis von so erprobten Wahrsagern wie Gras Pückler - oder Herrn Ahlwardt, der jetzt seine Zelte in Dresden aufgeschlagen hat, aus dem Grunde einer Tasse Bliemchenkasfee deuten." — Das nahezu unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinende Antisemitenblatt „De u t s ch e Ho ch w a ch t", hat die Wiederkehr des Todestages Ernst Winters in Könitz dazu benutzt, wieder einmal von sich reden zu lunchen. Die „Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" berichten: „Die Deutsche Hochwacht" erinnert anläßlich dieses Tages an die „Fälle Stürz, kanten und Könitz", und gerät geradezu in Tobsucht darüber, daß „die Behörde in allen drei Füllen bis heute noch keinen Mörder nennen könne". Du lieber Himmel! In der Zwischenzeit sind Hunderte von