Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 4 (April 1911)
- Article
- Berlin
- Date
- 1911-04-01
- Page
- 217 (sequence 1)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 217 Korrespondenzen. % Berlin, 22. März. Tie „National-Ztg." berichtet auf Grund der Mitteilung einer hiesigen Zeitungskorrespoudenz: „Der preußische St' riegs m inister von Heeringen hat, wie noch erinnerlich sein dürfte, in der Reichstagssitzung am 25. v. M. die Erklärung abgegeben, daß eine Zurücksetzung jüdischer Soldaten bei der Beförderung, ob bewußt oder unbewußt, zweifellos antisemitischen Regungen entspringe, daher ungesetzlich fei und von ihm nicht gebilligt werde. Aus diese Erklärung ist es jedenfalls znrückzuführen, daß jetzt von den Truppen k o m m a n d e u r e n die ihnen unterstellten Chefs daran erinnert werden, daß bei Beförderungen -zu U u t e r o f f i z i e r e n oder E r - Nennungen zu Gefreiten ausschließlich die Diensttüchtigkeit des Soldaten, verbunden mit guter Führung, maßgebend sein dürfe. Es wird ganz besonders darauf hingewiesen, unter k e i n e n 11 mstände n ein e f o u - f e s s i o n e l l e S ch e i d n n g vorzunehmen und etwa jüdische Soldaten zurückzusetzen." — Nach einer Mitteilung der von Th. Fritsch redigierten antisemitischen Zeitschrift „Hammer" soll dem Berliner Schriftsteller Fritz Bley von einem Wiener Journalisten gesagt worden sein: „Sie haben ja in Norddeutschland gar keine Ahnung, wie eine Zeitung geschrieben sein muß. Aktuell muß sie fein, sensationell muß sie sein, schillernd muß sie sein und g e i st reich, daß alle Leser darüber lachen und schimpfen; jeder Leitartikel ein Feuilleton und in jeder Feuilletonzeile die Tendenz und der Nervenkitzel. Geben Sie mir die Millionen dazu und ich ruiniere die stärkste Zeitung, aber ich ruiniere auch den G e s ch m a ck des Publikums in Grund und Boden." — Daran knüpft die „Staatsbürger Ztg." die unsagbar geistreiche Betrachtung: „Mit Verlaub! Wir in Norddeutschland, das von der Jerusalemer Straße durchzogen wird, wissen sehr wohl, welchen „Tageblättern" wir die heutige Geschmacksverhunzung, in der wir schier ertrinken, zuzuschreiben haben." — Daß die Antisemitenpresse in der Geschmacksverhunzung schier ertrunken sein soll, ist eine Behauptung, die wir zu bestreiten keinen Grund haben. Oe