Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 4 (April 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-04-01
- Page
- 216 (sequence 11)
- Language
- German
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216 Im deutschen Reich. girierten gegen eine Bevölkerungsminderheit aufzureizen, die gerade für die Armut stets mitleidige Herzen und offene Hände hat. In einer im „Nordischen Hof" in Berlin von der Deutsch-nationalen Steformpariet veranstalteten Versammlung hat dieser Tage der frühere Herausgeber der „Staatsbürger Zeitung" und jetzige der „Wahrheit", Wilhelm Bruhn, eine aufreizende Rede gehalten, in der er sagte: „Es ist nicht Schuld eines Antisemiten, daß es gerade Juden sind, die allenthalben dort ihre Hand im Spiele haben, wo der Mittelstand in schwere Bedrängnis geriet." Er sprach dann, an eine Aeußerung Sombarts anknüpfend, von dem „jüdischen Reichtum" und fügte hinzu: „Der Gedanke, daß unserem Volke Gefahr vom Judentum drohe, hat erfreulicherweise weite Kreise unseres Volkes erfaßt. Ein sozialdemokratischer Abgeordneter hat letzthin erklärt, daß die Mehrzahl der Soldaten aus sozialistischen Familien komme. Wenn dies auch Uebertreibung ist, so ist die Situation nicht auszudenken, wenn wirklich einmal eine größere Anzahl Sozialdemokraten in die Armee gelangen. Leider fürchtet man au maßgebender Stelle die Macht des Judentums gar zu sehr. Trotzdem bleiben wir auf dem alten und richtigen Wege. Wir legen auch Verwahrung ein gegen das andauernde ^ibchx jüdischer Kapitalisten, gegen deren Erhebung über das Bürgertum hinaus." Die Vertreter des Antisemitismus halten au dem Programm des „Sozialismus der dummen Kerle" fest und rechnen immer auf die, welche nie alle werden — aber sie irren sich. Die breiten Schichten der deutschen Bevölkerung stehen geistig weit höher als die Massen, die in anderen Ländern sich von antisemitischen Strebern am Gängelbande führen lassen. Die Deutschen werden ihren gesunden Sinn beweisen, indem sie sich eine Volksvertretung schaffen, in denen die Dunkelmänner nicht mehr das große Wort führen können! A. L.