Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. 194

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Article
Wieder eine Erlösung des Judentums
Date
1911-04-01
Page
194 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316804-2316809-2344575--21411-2344635
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

194 Im deutschen Reich. Christ zu werden, -einfach nichts mit der protestantischen Lehre zu tun hat. Ein ebenfalls liberaler Geistlicher, Pfarrer Förster in Frankfurt a. M., hat kürzlich in dem Blatte „Die Gemeinde" die Taufvorträge der Herren Or. Werner und Or. Cohn besprochen und behauptet, daß die Aufstellung des Herrn Di:. Werner, in der Mehrzahl der Falle sei das Bekenntnis der Täuflinge zu den Dogmen des Christentums eine Unwahrhaftigkeit, ein harter und ungerechter Ausspruch sei. Die Hauptfrage nämlich, die nach dem Frankfurter Kirchenbuch jüdischen Täuflingen vorgelegt werde, laute: „Ich frage dich, willst du getauft sein im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes?" Pfarrer Förster weint, er sei überzeugt, daß viele Täuflinge auf diese Frage mit voller Wahrheit ihr „ja" gesagt haben. Dabei übersieht er, daß zwar anzunehmen ist, daß der durch die Bejahung der Frage geäußerte Wunsch auf Eintritt in die evangelische Kirche durchaus wahr gemeint sei, während die daran geknüpfte Anerkennung der Dreieinigkeit bei der übergroßen Mehrzahl der Täuflinge für jeden Kenner der Verhältnisse zweifellos nicht vorhanden gewesen sein wird. Auch in dieser sehr Liberal -gehaltenen Frankfurter Tausformel liegt die Forderung der Anerkennung »der Trinität, und wer die Frage, die i h m vor gelegt wird, nach T r e u und Glauben a u s f a s s e n und a u s lege n w i l l, und mit „ja" antwortet, ohne sich über die W a h r h e i t des D r e i e i n i g k e i t s g e d a n k e n s ln i t s eine m Gewi s s e n v ö l l i g einig z u s e i n, er - s ch 1 ei ch t f i ch den Ei n g a n g in d as Ch riste n - L u m und verhöhnt damit die ch r i st l i ch e K i r ch e. Der in der Frankfurter Frage niedergelegte Glaubensinhalt entspricht aber nur den Forderungen der weitaus a m me i st en l i n ks stehenden Kreise der evangelischen Kirche, die mittlere und erst die sogenannte positive Richtung gehen kn ihren Mindestforderungen an das Bekenntnis des Täuflings viel weiter. Man kommt also notwendig zu dem Resultate, daß die Kohlersche Auffassung über das Wesen des Christentums, zu dem sich die Juden bekennen sollen, völlig irrig ist, daß hier zur Grundlage des Christentums ein Glaube ange-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.