Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 4 (April 1911)
- Article
- Wieder eine Erlösung des Judentums
- Date
- 1911-04-01
- Page
- 191 (sequence 3)
- Language
- German
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Wieder eine Erlösung des Judentums. 191 und an dem heiligen Geist der Menschheit, der uns alle mit freudigem Optimismus erfülle. Wenn man es -aber als eine Treulosigkeit betrachten wolle, daß jemand einen anderen Glauben annehme, als seine Väter gehabt hätten, so könne ihm nur entgegengehalren werden, er leide an veralteten Vorstellungen. Ein jeder sei selbst Herr seines Gemütes, und ein jeder habe sich selbst seinen Glauben zu schaffen; sein Glaube sei nichts von anderen Ueberkommenes, sondern es sei der Glaube, den er, vielleicht unter gewaltigen Kämpfen, sich selbst errungen habe. Man braucht sich mit diesen Ausführungen nicht allzu eingehend von neuem zu beschäftigen, da in den vom Central-Verein herausgegebenen Schriften über die Judentaufen, speziell in dem Hefte „Judentaufen", drei Borträge von Rabbiner Or. Werner-München, Gustav Levinstein-Berlin und Prof. Or. I. Horowitz-Charlottenburg, das in F^age kommende Material erschöpfend behandelt ist und Min im wesentlichen auf die dortigen Ausführungen Hinweisen kann, um das Irrige der Kohlerschen Forderung zu beleuchten. Die Diskussion mit einer Reihe von Lesern der Kohlerschen Artikel hat lediglich einen Punkt noch als erörterungsbedürftig gezeigt. Es wurde nämlich hervorgehoben, Köhler habe doch eigentlich damit ganz Recht, daß viele Protestanten die moralischen und ethischen Anschauungen mit den Juden gemeinsam hätten, während beide vom kirchlichen Dogma nichts hielten. Warum sollten denn also diese Inden nicht wirklich zum Christentum übertreten, da ihnen ja etwas Besonderes, das für sie unannehmbar wäre, nicht vorgeschrieben würde und da sie einfach den Marsch von einer Partei des Unglaubens in die andere Partei des Unglaubens ohne seelische Bedrückung in voller Reinhaltung ihrer ethischen Prinzipien unternehmen könnten. Denn was Köhler als Wesen des Christentums hinstelle, könne jeder ruhig annehmen. Man würde eben nur den Namen ändern; in der Sache bleibe alles beim alten. Darum sei Köhlers Ratschlag eigentlich recht vernünftig, er schade Niemanden und nütze allen. D i e f e M ein u n g i st n u r d a d u r ch m ö g 1 i ch g eworden, daß Köhler sich einer starken B e r -