Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- Berlin
- Date
- 1911-02-01
- Page
- 90 (sequence 2)
- Language
- German
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90 Jrn deutschen Reich. in Ziffer 3 der Vorlage nachstehende in § 360 Abs. 3 einzuschaltende Bestimmung aufgenomnren: „L a n d e s r e ch t - lid) e B c stim m it n g e n, welche in die rituellen Vors ch r i f t e n einer 'R e l i g i o n s g e s e l l s ch a ft über das S ch l a ch reu v o n T i e r e n e i n g r e i f e n, sind unzulä s s i g." Ter Abgeordnete Gröber (Zentrum) befürwortete den Kommissioirsbeschluß und sagte dabei: „Viele unparteiische Männer mit Namen von gutem Klang haben sich für das Schächten ausgesprochen. Aus Gründen religiöser Duldung muß man sich mit dem Schächten abfinden. Ein großer Teil der Bedenken gegen dasselbe richtet sich gegen Dinge, die mit den rituellen Vorschriften nichts zu tun haben. Dem Einwande, wir greifen hier in die Gesetzgebungsrechte der Bundesstaaten ein, können wir Berechtigung nicht zusprechen; das Gesetz, das die Regel bestimmt, hat auch die Ausnahme zu fixieren. In England, Italien, Oesterreich asm., nirgends findet sich ein Schächtverbot. Da ist es Zeit, hier einmal Ruhe zu schaffen." In langen Ausführungen setzte sich hierauf der antisemitische Abgeordnete Graes für das Verbot des Schächtens ein, das eine rohe Mißhandlung der Tiere und daher im Sinne der Vorlage eine Tierauälerei sei. Der Staatssekretär Lisco wandte sich aber gegen diese Behauptung; es seiz weisellos, daß das Schächten als solches nicht unter die S traf v o r sch ri f t en falle, weil es u nmö g - l i dy a I s r o h b ezeichnet werden könne, wen n d a d u r ch R e l i g i o n s v o r f ch r i f t e n b e f o l g t w ü r d e n. Durch den Vorschlag, jede Landesvorschrist über das Schächten als unzulässig zu erklären, werde aber der Rahmen des Notgesetzes überschritten; die verbündeten Regierungen würden nicht bereit sein, einer solchen Bestimmung zuzustimmen. Gegen die Darstellung der Antisemiten wandte sich auch der sächsische Konservative Or. Wagner, der im übrigen auch weiterhin die Zuständigkeit der Landesgesetzgebung erhalten sehen will. Für die Nationalliberalen konnte Dr. Heintze nur erklären, daß sie dem Kommissionsbeschluß gegenüber geteilter Meinung sind. Abg. Or. Müller-Meiningen empfahl die Annahme des Kommisfionsbeschlusses. Er bemühte sich erfolgreich, den Staatssekretär des Reichsjustizamtes zu veranlassen, die Stellung der Reichs-