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Im deutschen Reich · 1911-02-01 · Heft 2 (Februar 1911) · p. 84

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 2 (Februar 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-02-01
Page
84 (sequence 3)
Language
German
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84 Im deutschen Reich. waltung nicht recht vereinbar scheint. Nur die Volksvertretung, die aus unbeeinflußten freien Wahlen hervorgehL, kann der Regierung eine sichere Stütze und dem Volke eine Bürgschaft für die allgemeine Wohlfahrt biet.en. Dazu bedarf es keineswegs einer „parlamentarischen Regierung" und keiner „Scheinmonarchie", sondern nur der energischen Verhinderung dessen, was notwendig zu einer „Parteiregierung" führt, wenn nicht gar zu jener Art von Autokratie, bei welcher der Wille des Monarchen fast immer weniger bedeutet als der seiner Satrapen. Wer die antisemitische Presse mit Aufmerksamkeit liest, der kann kaum daran zweifeln, daß ein solches Regiment das letzte Ziel der antisemitischen Herzenswünsche ist. Die Art, wie öre Antisernitenxrefse den Austausch mit amerikanischen Professoren, die Stellung des Kaisers zu den internationalen Stiftungen Ernest Cassels und Carnegies, seinen Verkehr mit dem Generaldirektor Ballin, die Ausstellung der Cadiner Tonwaren im Warenhause von Wertheim u. a. m. bekrittelt hat, wie ein harmloses Wort des deutschen Kronprinzen systematisch benutzt wird, um das gegenwärtige Regiment herabzusetzen, zeigt deutlich genug, wie die den Tivoli-Konservativen und radikalen Antisemiten von der Staatsverwaltung gemachten Zugeständnisse nur den Appetit gereizt und den Willen zur Macht, d. h. zur vollständigen Parteiregierung, gereizt haben. Zu welchen „Neujahrsgedanken" die „Staatsbürger-Zeitung" ihre angebliche monarchisch e"°Wefinnung geführt hat, zeigen nachstehende Sätze: „Wir lasen und hörten oft von Fürstenreisen und -besuchen und vernahmen's dann stets aufs neue, daß der Weltfriede nun wieder gesichert fei. Um die Sicherung des Volksfriedens kümmerte man sich kaum, und wenn man's tat, geschaht mit platonischer Unverbindlichkeit. Und wir lasen weiter von glänzenden Festen und begeisterten Reden und vermißten doch immer wieder das eine: Die Tat! Ein Wort nur fiel aus hohem Munde, das wie ein Lichtstrahl schien des Nebels Meer zu durchdrungen, das Wort von der völkischen Eigenart des deutschen Volkes. Aber die Wirkung ging unter vor dem Toben jener gewissen- und gesinnungslosen Presse, die es nicht dulden mag, wenn im

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