Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- Eine neue Versammlung gegen die Zurücksetzung der Juden im Heere
- Date
- 1911-02-01
- Page
- 75 (sequence 5)
- Language
- German
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Eine neue Versammlung gegen die Zurücksetzung usw. 7 5 Zahlenmaterial ist feftgestellt, daß nicht nur in den Jahren 1864, 1866, 1870, sondern auch schon im Befreiungskriege eine sehr starke Anzahl jüdischer Soldaten freiwillig dem Ruf des Königs folgte. Sehr viele der jüdischen Krieger sind verwundet oder getötet worden, und eine große Anzahl der heimkehrenden Sieger hat das Eiserne Kreuz oder andere Auszeichnungen für Heldentaten erhalten. Auch an den jüngsten Expeditionen nach China und Südwestafrika haben jüdische Soldaten teilgenommen. Ueberall, wo um Deutschlands Ehre gekämpft wurde, standen die jüdischen Soldaten ruhmreich in den Reihen der Vaterlandsverteidiger. Daher ist der Vorwurf der militärischen Untüchtigkeit den jüdischen Soldaten gegenüber eine schändliche Verleumdung. (Sehr wahr!) Andere Gegner der Beförderung von Juden zu Offizieren machen sich dieser Verleumdung nicht schuldig, stützen aber ihre Ansicht, wie es ja auch der Kriegsminister im Reichstag getan hat, auf das Widerstreben deutscher Soldaten, jüdischen Vorgesetzten zu gehorchen. Diese Ansicht wird allein schon dadurch widerlegt, daß es frühen im Heere eine große Zahl von jüdischen Vorgesetzten gegeben hat, denen die Mannschaften stets gehorcht haben. Wenn aber dennoch ein Funken von Wahrheit darin liegen sollte, so ist es einzig und allein die Folge der antisemitischen Verhetzung. Der Kriegsminister wird von der Grundlosigkeit dieser Ansicht allein schon durch die Beispiele der jüdischen Vorgesetzten in den gesitteten europäischen Ländern überführt werden müssen. Auch der Erwerbssinn der Juden, der bei ihnen besonders stark ausgeprägt sein soll, wird als Grund für die Nichtbefähigung der Juden für Offizierstellen angegeben, da .er im Gegensatz zur altpreußischen Schlichtheit eine luxuriöse Lebensführung im Offizierkorps hervorbringen würde. Größer aber kann doch der Erwerbssinn garnicht ausgeprägt sein, als ihn die preußischen Junker durch die Jahrhunderte hindurch bewiesen haben und auch heute noch beweisen. Man braucht sich nur der Branntweinliebesgabe und der angeblich wegen Zerstörung des Familiensinnes abgelehnten Erbschaftssteuer zu erinnern. Ist doch der Bund der Landwirte nichts anderes als eine Gesellschaft auf gegenseitigen Vorteil. Und auch der Luxus ist bereits zur Genüge im preußischen Heer, besonders in den adligen Regimentern, vorhanden. Auch dieser