Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / Schneider, M.
- Date
- 1911-03-01
- Page
- 151 (sequence 7)
- Language
- German
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Bereinsnachrichten. 151 tum zu spalten und niederzuhalten. Ter Antisemitismus habe sich aus der Ende der siebziger Jahre von Stacker und seinen Freunden ins Leben gerufenen christlich-sozialen Bewegung entwickelt. Anfangs sei diese Bewegung von den Konservativen in jeder Weise gefördert, die Christlich-Sozialen seien ein Bestandteil der konservativen Partei gewesen. Mehr und mehr aber habe man auch auf konservativer Seite den geistigen Zusammenhang zwischen den christlich-sozialen Bestrebungen und der von den Konservativen aus das heftigste bekämpften sozialdemokratischen Bewegung erkannt. Stöcker und viele andere seien gezwungen worden ans der konservativen Partei auszuscheiden; alle ihre Versuche, unter irgendeiner anderen Parteiform im Volke wieder Boden zu gewinnen, seien gescheitert. Stöcker selbst habe, fast von allen seinen Anhängern verlassen, ein unrühmliches Ende genommen, mancher seiner Jünger sich der Sozialdemokratie mehr und mehr genähert, lvie das bereits früher von den Verfechtern liberaler wirtschaftlicher Anschauungen vorhergesagt worden sei. Tie verschiedenen antisemitischen Gruppen zerfleischten sich, nachdem ihr Herr und Meister die Führung verloren hatte, in gehässiger Weise untereinander. Der eine Führer.beschimpfte und verdächtigte den andern, um sich an seine Stelle zu setzen. Es sei wunderbar, daß derartige Leute noch immer Anhänger im Volke fänden, daß es noch immer Männer gebe, die das tiefe geistige Niveau und das selbstsüchtige Treiben dieser Führer nicht durchschauten. Aber auch hier treffe das Wort des Dichters zu: „Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er es beim Kragen hätte." Redner zeigte dann an dem ganzen politischen Verhalten des schwarzblauen Blocks, an seiner Begünstigung der konfessionellen Schule, seiner Stellung zur Wahl- und Finanzreform, seiner vollständigen Verkennung der Leistungen und Aufgaben des dem Junkertum so verhaßten mobilen Kapitals auf wirtschaftlichem und kulturellen: Gebiete, die Rückständigkeit dieser Politik. Dem gegenüber stellte er den Liberalismus, welcher die Leistungen des einzelnen ohne Rücksicht auf sein religiöses Bekenntnis beurteilt und würdigt, und daher notwendig ein Feind des Antisemitismus, sowohl des religiösen, wie des Rassenantisemitismus sein müsse und sei. Nur durch die Mitarbeit alter seiner Söhne sei es Deutschland möglich, seine