Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Article
- Berlin
- Date
- 1911-03-01
- Page
- 139 (sequence 4)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 139 getrübte, da man sich darüber nicht täuschte, daß die Nationalliberalen künftig kaum wie früher mit dem Bund der Landwirte Zusammengehen würden, und daß auch der Bauernbund eigene Wege einschlagen werde. Der Aerger über den Bauernbund machte sich durch die unbewiesene und unbeweisbare Behauptung Luft, daß diefer von den Juden unterstützt und beeinflußt werde. Damit war man wieder auf das antisemitische Leitmotiv gekommen, das wiederholt im Zirkus Busch Wiederhall gesunden hatte und nun im Sportpalast fast noch drastischer wirkte, so daß die Antisemitenpresse aus dem Verlauf der Generalversammlung die kühne Hoffnung schöpfte, „diejenigen Mitglieder des Bundes der Landwirte und seines Vorstandes, die bisher von der Judenfrage immer nur dunkle, aber um so naivere Vorstellungen hatten, nun einsehen würden, daß der Kampf von links gegen den Bund am letzten Ende nichts anderes ist, als der Kampf des Judentums gegen die ehrliche bodenständige Arbeit." — Von der „ehrlichen bodenständigen Arbeit" der Agrarier und ihres antisemitischen Trosses haben nicht nur die Liberalen, sondern wohl die Mehrheit des deutschen Volkes kostbare Proben erhalten. — Die Deutschnationale Vereinigung' der Reformpartei hat am 10. Februar eine öffentliche Versammlung im großen Saale des Marinehauses veranstaltet. Als erster Redner hielt der Herausgeber der „Wahrheit", Reichstagsabgeordneter Wilhelm Bruhn, einen Vortrag, der mit den Worten schloß: „Es wird die Zeit wieder kommen, in der die Wogen der antisemitischen Bewegung auch äußerlich wieder hochgehen werden, innerlich sind sie niemals abgeflaut! Hoffen wir auf Zeiten, wo sich diese Einsicht auch an höchster Stelle ihren Platz erobern wird." Sodann sprach der Reichstagsabgeordnete Werner, welcher der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß der unsere Gesetzgebung durchtränkende „gute Tropfen antisemitischen Oeles alle Zweige unseres öffentlichen Lebens wohltuend beeinflussen möge". Nach dem Bericht der „Staatsbürger-Zeitung" wurde in der nachfolgenden Debatte mehrfach Freude darüber bekundet, daß wieder mit der Abhaltung antisemitischer Versammlungen in Berlin begonnen worden sei. — Die Unruhestifter sind also wieder an der Arbeit. Oavete!