Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Article
- Berlin
- Date
- 1911-03-01
- Page
- 136 (sequence 1)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 136 Korrespondenzen. Hr Verlin, 24. Februar. Bei den bevorstehenden Reichstagswahlen wird das Verhalten der K r reger vereine ' voraussichtlich nicht ohne Einfluß bleiben; schon jetzt sind etwaige Versuche, sie für die Wahl von konservativen und antisemitischen Kandidaten mobil zu machen, nicht gleichgültig, weil dies auf eine ansehnliche Anzahl treuer jüdischer Mitglieder ^solcher Kriegervereine einen Peinlichen Eindruck machen muß. Es ist deshalb erfreulich, daß ein ' angesehenes Vorstandsmitglied des preußischer: L a n d e s - K r i e g e r v e r b a n d e s , K o n t r e a d m i r a l z. D. Sti,ege, in der „Vossischen Zeitung" am 28. Januar d. I. ,einen Artikel über „Deutsches Krieg,erverei.nswesen und Parteipolitik" veröffentlichte, der sich gegpn das Verhalten des konservativen Vorsitzenden eines ostpreußischen Kriegervereins richtet, das darauf abzielte, ejne bürgerliche Partei gegen die andere auszuspieleu, und Patriotismus und Königstreue auf liberaler Seite anzuzweifeln. Konteradmiral Stiege weist aus der Entstehungsgeschichte und den Satzungen der Kriegervereine nach, daß dies unzulässig ist. Er sagt von den Kriegervereinen: „Auf Grund ihrer Satzungen waren sie gewissermaßen als Sammelstätten für alle ehemaligen Soldaten, die auf dem Boden der Treue zur Monarchie und -zum Vaterlande stehen, hervorgehend aus allen bürgerlichen Parteien, allen Konfessionen, allen Ständen, allen Berufen konstituiert worden. Daraus war mit zwingender Notwendigkeit die weitere Satzungsvorschrift erwachs en, welche Erörterungen politischer und religiöser Dinge in den Vereinen aus schloß." Die weiteren Ausführungen des Artikels schließen mit folgenden Sätzen: „Hat der in Rede stehende Vereinsvorsitzende die Ansicht vertreten, daß das Kriegervereinswesen eine — wenn ich mich so ausdrücken darf — Domäne des Konservatismus ist, so hat er sich damit selbst außerhalb der Satzungen gestellt." Wenn an diesen Grundsätzen festgehalten wird, dann ist es ausgeschlossen, daß preußischen Kriegervereinen, in denen vielfach deutsche Juden eine angesehene Stellung einnehmen, zugemutet werden kann, die Wahl antisemitischer Kandidaten zu fördern.