Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1911-03-01
- Page
- 129 (sequence 1)
- Language
- German
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Umschau. 129 Hnfei: ganzes öffentliches Leben in Deutschland steht jetzt unter dem Eindruck der Empfindung, daß sich bei den nahe bevorstehenden Reichstagsrrxrhlen, t wenn nicht ein vollständiger Wechsel tu der inneren Politik, so doch ein wesentlicher Umschwung der Verhältnisse vollziehen werde, die in letzter Zeit durch eine mit dem Wesen des modernen Staates kaum vereinbare rückschrittliche Strömung auf den verschiedensten Gebieten einen Charakter angenommen haben, der auf die Dauer nicht haltbar sein kann. Alle Bestrebungen, die staatlichen Autoritäten durch das Zurückgreifen auf mittelalterliche Einrichtungen und künstliche Auffrischung längst innerlich überwundener Anschauungen zu stärken, erweisen sich schließlich nicht nur als wirkungslos, sondern sogar als ihren Zweck schädigend. Diese Ueberzeugung wird in den weitesten Kreisen des deutschen Volkes gehegt: ihr ist auch am Kaisergeburtstage auf dem Kommers der alten Burschenschafter durch einen Redner mit den Worten Ausdruck verliehen worden: ,HÄus dem Demos sind fast alle weltgeschichtlichen Energien emporgestiegen, und in hundert Beispielen lehrt die Geschichte, daß die Massen nur zu leiten sind durch Führer, die die Massen verstehen und von ihr verstanden werden/" Demnach können auch in der kommenden Zeit die Geschicke des deutschen Reiches nicht von privilegierten Klassen beständig beeinflußt, sondern nur von den Intelligenzen des Volkes, den wirklichen Kulturträgern, in Verständigung mit der Staatsleituug so geführt werden, daß die Bolksmassen richtig verstanden werden und ihre Führer verstehen und würdigen. Wann und wie dieses Ziel erreicht wird, steht noch dahin, aber so viel ist sicher, daß dann auch das jetzt vielfach in Folge Rassendünkels und religiöser Vorurteile in dem jüdischen Bestandteile des deutschen Volkes brachliegende Kulturelement seine volle Würdigung finden wird. An Versuchen, diese Elemente für den Staat und für das ganze politische Leben nutzbar zu machen, hat es auch bisher nicht gefehlt, aber 51t dem einzig richtigen Entschluß, diese Versuche nicht mehr