Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- Die große Sehnsucht [Rezension]
- Date
- 1911-01-01
- Page
- 58 (sequence 2)
- Language
- German
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53 Im deutschen Reich. Vater und Sohn kornmen des Abends in einen Schneesturm. Moritzchen, der Sohn, wird müde und wird anstatt der Waren im Korbe getragen. Dabei murmelte Pinkus den Schluß des Kol nidre: Mein Gott, ehe ich geschaffen, war ich nichts usw. (Kol nidre wird mit der Schmone essre verwechselt.) Schließlich kommen Vater und Sohn in eine Lehrerfamilie, die in ihrer Menschenliebe sehr sympathisch geschildert wird, und müssen nun der Weihnachtsfeier beiwohnen, die in leuchtenden Farben dargestellt wird. Moritz nimmt am Essen teil; «der Alte konnte nicht ablassen, das Bild der Freude anzustaunen, das sich um Baum und Tisch breitet. Hier blickte er in eine Welt, die ihm durchaus fremd Dar. Kinder schienen ihm die Großen wie die Kleinen zu sein, und zu Gott sagten sie „Varer", und von dem „Jesuskindlein" sprachen sie wie von ihrem Bruder. Pinkus erschrak über diese Vermessenheit. Er hat sich immer alt gefühlt und immer nur als einen Knecht I—s, und nicht einmal seinen Knaben hatte er ein rechtes Kind sein lassen. Früh hatte er ihn an den Sorgen seines Geschäftes, seines Glaubens und seines Lebens teilnehmen lassen, und ihn mit dem Gesetz geschreckt, wenn es not tat. Er streifte sich die Gebetriemen über die Stirn und den linken Unteram und begann stehend sein Abendgebet (!) zu murmeln. Dann wird er schwächer und stirbt schließlich mit den Worten: „Denk nach, warum unsre Leut in die Fremde gehen und handeln." In der Erzählung „Zwei Oelbäume", wird die Verlobung und Heirat eines jüdischen Mädchens mit einem Manne geschildert, der sich selbst also charakterisiert: „Ich bin Jude und bleibe Jude mit jeder Faser; aber ich habe erkannt, daß Jesus der Meschiach ist und habe ihn angenommen. Ich werde vielleicht auch bald die Taufe nehmen, aber ich werde mich niemals — niemals ausrotten lassen aus meinem Volke. Ich bin frei vom Gesetz, aber ich halte es freiwillig. Ich will teilhaben an der Erlösung durch das Blut des heiligen Gehenkten, aber ich will auch teilhaben an den Verheißungen unseres Volkes, die noch ausstehen. Ich will nicht ruhen, bis es seinen Meschiach hat und sein Land, und bis es ein Israel des alten und neuen Bundes ist." Ferner: „W i r wehren uns gegen die S ch a l i a ch s