Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1911-01-01
- Page
- 40 (sequence 4)
- Language
- German
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40 Im deutschen Reich. es für -angenehmer, wenn Sie eine andere Wohnung finden können, die für Sie paßt. Seien Sie versichert, daß wir durchaus nichts gegen. Sie persönlich einzuwenden haben, außer der Tatsache, daß Sie Jude sind, weshalb deutsche Gentlewen nicht unter demselben Dache leben wollen. Unser Lebensunterhalt wird uns von denen verschafft, die wir in Pension nehmen, und wir können es uns nicht gestatten, einen oder gar mehrere Gentlemen aus dem erwähnten Grunde zu verlieren. Hätte Herr Moos seiner Zeit Ihren Namen erwähnt, so würde ich wahrscheinlich diese große Unbequemlichkeit für Sie vermieden haben. Seien Sie überzeugt, daß es eine wirklich unangenehme Sache für uns ist, Sie darum zu bitten, uns zu verlassen. Wahrscheinlich werden Sie aber viel mehr von jenem Empfinden wissen, als wir Engländer dies tun und unsere Lage verstehen. Ihre ergebene (gez.) Agnes Brown. Der freundlichen Dame gebührt ein Ehrenplatz in unserer Liste der antisemitischen Pensionen! Da es vielleicht noch mehr solche englische Pensionsinhaberinnen gibt, die ihre Rücksichtnahme aus antisemitische deutsche Gentlemen verleitet, die englische Vorurteilslosigkeit zu verleugnen, empfehlen wir den zahlreichen in England wohnenden jungen jüdischen Deutschen, uns etwaige ähnliche Fälle mitzuteilen. — Wie der rühmliche Eifer unserer Vertrauensmänner zuweilen selbst in kleinen jüdischen Gemeinden die Sache des Central-Vereins fördern kann, davon hat uns u. a. dieser Tage eine. Mitteilung aus Naugard i. Pom m er n einen deutlichen Beweis geliefert. In dieser nur 20 Steuerzahler umfassenden Gemeinde, von denen bisher nur 3 unsere Mitglieder waren, haben sich, auf Veranlassung des Herrn Leopold Ascher in Naugard, jetzt 14 Herren zur Mitgliedschaft gemeldet und zwei bisherige Mitglieder ihre Beiträge erhöht. Außerdem sind uns 12,30 Mk. als. Teil einer Buße zugegangen, die ein Rechtsanwalt in Naugard in einer Privatklagesache des Herrn Ascher zur Sühne einer antisemitischen Aeußerung gezahlt hat. — In einem Nachtrag zu dem Dezemberheft dieser Zeitschrift haben wir bereits mitgeteilt, daß die sächsische Regierung