Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- Berlin
- Date
- 1911-01-01
- Page
- 32 (sequence 1)
- Language
- German
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32 Jrn deutschen Reich. Korrrsporrde«M. 22. Dezember. Behufs Stellungnahme zu den Vorgängen in einer Leipziger Versammlung der Freien S t ud e n t e n s ch a f t, in welcher die Antisemiten den kürzeren gezogen hatten, fand unrer dem Vorsitz des Rechtsanwalts Ulrich am 16. Dezember im Berliner „Marinehaus" eine Studentenversammlung statt, in der Or. Ernst Henri et, ein aus den Zeiten der traurigen Berliner Bewegung bekannter antisemitischer Führer, den Hauptvortrag hielt. In Leipzig hatte in einem politischen Jnformationskursus neben konservativen und liberalen Abgeordneten auch der Sozialdemokrat Eduard Be r n ft e i n gesprochen. Am Schlüsse seines Vortrages brachte Dr. Henri ei, offenbar nur um den Vortragenden zu provozieren, ein Kaiserhoch aus und wurde aus dem Saale gewiesen. Während Alldeutsche und Antisemiten daraus eine Haupt- und Staatsaktion machten, erklärten die Leipziger Universitätsbehörden, das Verhalten der Freien Studentenschaft für korrekt. Die Verfammlung im Berliner Marinehause gab nun dem Dr. Henriei Gelegenheit, sich über die ihm in Leipzig widerfahrene Behandlung, über die er sich bei dem Rektor der Universität vergeblich beschwert hatte, bitter zu beklagen. Nach einer stürmischen Geschäftsordnungsdebatte verließen darauf die anwesenden Mitglieder der Freien Studentenschaft den Saal; dann wurde die Diskussion fortgesetzt und schließlich eine vom deutsch-völkischen S t u d e n t e n v e r b a n d eingebrachte Resolution angenommen, in der gegen die Behandlung Dr. Henricis und gegen den Versuch, sozialdemokratische Gedanken in der Berliner Studentenschaft zu verbreiten, protestiert und betont wurde, daß sich die Versammlung auf den Boden christlich-monarchischer Staatsauffassung stelle. An der Debatte hatte Herr Sonnenberg als Vertreter des Vereins deutscher Studenten teilgenommen. Die Haltung dieses Vereins scheint aber den Erwartungen der Größen der ehemaligen Berliner Bewegung wenig entsprochen zu haben, sonst wäre nicht schon am Tage darauf in dem Antisemiten-Moniteur eine „N a t i o n a l e Studente n s ch a f t?" überschrieöene Philippika erschienen, in der u. a. gesagt wurde: „Die Studentenschaft hat mit ihrer Tradition gebrochen; sie ist