Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- Die Rheinisch-Westfälische Woche
- Date
- 1911-01-01
- Page
- 12 (sequence 6)
- Language
- German
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12 Im deutschen Reich. fasfungsgrundsatzen, also um eine hochpolitische Frage und weiterhin um die Erörterung darüber, ob Verschiedenheit der Religion oder Konfession in irgendeiner Beziehung eine unterschiedliche Behandlung im staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben gestatte, — also auch um eine Kulturfrage ersten Ranges. Selbstverständlich könne der Central-Verein nicht etwa daran denken, als solcher von sich aus eigene jüdische Kandidaten aufzuftellen; denn der Gedanke, ein „jüdisches Zentrum" bilden zu wollen, liege uns fern und widerspreche auch den Grundanschauungen unseres Vereins. Wohl aber brauche der Central-Verein sich nicht zu scheuen, öffentlich mit seinem Namen bei den kommenden Wahlen rednerisch und agitatorisch überall da hervorzutreten, wo Antisemiten zu bekämpfen seien. Der Referent besprach sodann im einzelnen die Stellungnahme zu den einzelnen politischen Parteien bei der Hauptwahl, namentlich an solchen Wahlkreisen, in welchen antisemitische Bewerber zur Wahl stehen werden, wobei er alle diejenigen Parteien, welche nach ihrem Programm prinzipielle Gegner antisemitischer Strömungen seien, als unterstützungsfähig bezeichnet; doch müsse man sich natürlich in Einzelfällen der Zuverlässigkeit des betreffenden Kandidaten versichern. Zu vermeiden seien unter allen Umständen sogenannte „falsche Stichwahlen", welche namentlich durch überflüssige Zersplitterung der liberalen Stimmen häufig zu einer Stichwahl zwischen Antisemiten einerseits und Sozialdemokratie andererseits führen, in welchem Falle dann erfahrungsgemäß meistens der Antisemit gewählt werde. Durch Sammlung aller liberalen Stimmen aus einen einzigen liberalen Kandidaten sei dieser oft in die Stichwahl Zn bringen, wodurch sich die Chancen des Antisemiten, sofern dieser nicht überhaupt ausfalle, erheblich verschlechtern. Für die Stichwahlen sei prinzipiell die Losung auszugeben, daß jeder Gegenkandidat eines antisemitischen Bewerbers — sofern er nicht etwa selbst Antisemit sei — mit aller Kraft unterstützt werden müsse. Insbesondere dürfe unter! c i n e n Um ft ünden , wie dies leider bei früheren S t i ch w a h l e n n a ch w e i s b a r v o r g e k o m m e n sei, v o n jübt] ch e n W ü h l e r n aus Abneigung gegen die Sozialdemokratie für den Antisemiten ge-