Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- Nochmals unsere akademische Jugend
- Date
- 1911-01-01
- Page
- 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Im deutschen Reich. der jüdischen farbentragenden Korporationen gefragt haben: „Wie kommt es, daß Sie immer so unter sich sind?" Darauf soll ihm die Antwort geworden sein: „Die Aristokratie schließt sich immer ab". Scherzhaft ist diese Anekdote nicht aufzufassen. Es ist nämlich eine Tatsache, daß vielfach die früher jüdischen Verbindungen ungehörigen Studenten späterhin nicht bloß die Zusammengehörigkeit in ähnlicher Weise pflegen, wie das auch sonst Verbindungsstudenten tun und wie das nicht zu beanstanden ist, sondern daß sie immer und überall sich als allein tüchtige Vorkämpfer in jüdischen Fragen darstellen, dabei geradezu andere verletzen, die an solchen Fragen ein durchaus nicht geringeres Interesse nehmen, und bei ihnen den Eindruck erwecken, als werde ihre Mitarbeit von vornherein als minderwertig betratet und nicht gern gesehen. Es bleibt manchem infolgedessen nichts anderes übrig, als sich isoliert in seinem Kreise zu betätigen, auch wo ein Zusammenwirken aller nur dienlich und fördernd sein könnte. Es soll durchaus nicht behauptet werden, daß diese Stellungnahme der früher jüdischen Verbindungen ungehörigen Studenten allgemein wäre: aber vielfach, namentlich unter den jüngeren, ist sie zu beobachten, und entwickelt sie sich zu einer Gefahr für die Einigkeit und Geschlossenheit jüdischer Bestrebungen. Natürlich wird dadurch die Abneigung gegenüber jüdischen Verbindungen, die vielfach mit Unrecht unter den übrigen Akademikern vorhanden ist, nicht geringer. Und damit komme ich zum Vorschläge des Herrn vr. Goldmann, der Bildung akademischer Ortsgruppen des Central-Vereins. Wenn diese Ortsgruppen wirklich gedeihen sollen, so dürfen nicht, wie das Herr Or. Goldmann wünscht, gerade die alten Herren der jüdischen Korporationen und die ihnen ungehörigen Studenten in erster Linie Anspruch darauf machen, die Leitung in die Hand zu bekommen. Sonst wären diese Ortsgruppen, die doch in erster Linie sich an die Nichtorganisierten richten, von vornherein totgeboren. Nötig ist vielmehr, daß für die leitenden Stellungen in erster Linie die Angehörigen, der Kreise gewonnen werden, deren Interesse für das Judentum man hauptsächlich festigen will, nämlich der paritätischen Verbände und ganz besonders der großen Masse, der Nichtinkorporierten. Wird in solcher Weise vorgegangen, dann verspreche ich mir von der dankenswerten