Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 820 (sequence 7)
- Language
- German
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820 Im deutschen Reich. ausgeschieden und hoffen hierdurch, diesen wirklich unbeabsichtigten harmlosen Vorfall erledigt zu sehen. Mit vorzüglicher Hochachtung Lrchtsxiele G. nt. b. H. Die Direktion. (Unterschrift.) — Der Besitzer des Hauses „G r i 1 l p a r z e r" in 5k a r l s - bad in Böhmen, Herr Walter Mieg, ersucht uns höflich, sein Haus in der Liste unserer antisemitischen Gasthöfe und Pensionen zu streichen, da bei ihm jeder ordentliche Gast, gleichviel ob Jude oder Christ, gern gesehen sei. Das Haus, das er seit drei Jahren besitzt, habe früher einer Frau Hofmann gehört, deren ältester Sohn, der Lehrer Josef Hofmann in Karlsbad, deutsch-nationaler Abgeordneter war, worauf wohl der Verruf des Hauses „Grillparzer" in unserer Zeitschrift zurückzuführen sei. Herr Mieg erklärt, daß er Herrn Hofmann erst bei dem Kauf des Hauses kennen gelernt, aber sonst nicht mit ihm verkehrt habe. Da Herr Mieg auch hochachtbare Berliner Referenzen aufgegeben hat, wird das „Haus Grillparzer" in unserer Liste der antisemitischen Hotels und Pensionen gestrichen. — Infolge seiner uns erteilten Aufklärungen ist Herr Zahnarzt Max Kuwatsch, Berlin, Wilhelmstr. 98, in der Liste der Zahnärzte, die jüdische Angestellte boykottieren, gestrichen worden. — Der Verwalter der Engelapotheke in Halle a. S., Herr O. Keil, schreibt uns: „In Ihrer Zeitschrift finde ich meinen Namen unter den Apothekern angegeben, die Gehilfen jüdischen Glaubens nicht beschäftigen. Allerdings habe ich in den Gesuchen in Klammern' bemerkt „Christ", habe aber dies lediglich getan, nachdem ich mit einem Dissidenten sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ein Zeichen, daß ich nicht eingenommen bin gegen Kollegen Ihres Glaubens ist, daß ich Herrn Walter Jaeobh aus Heilsberg vom 1. Juli 1908 bis 31. März 1909 beschäftigt habe und sehr zufrieden mit ihm gewesen bin. Der Herr hat mir aus seiner neuen Stelle noch geschrieben. Außerdem dürfte die Stellung meiner Brüder, die als Arzt und Rechtsanwalt sich bei Familien Ihres Glaubens großen Vertrauens erfreuen.