Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 813 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 813 rischen Fraktion sie angefjörett, dort, wo ihre Stimnueu in das Gewicht fallen und man deshalb an sie herantritt, offen und frei erklären, daß sie' ihre Fraktion fördern werden, aber nur dann, wenn man es ihnen nicht durch Aufstellung antisemitischer Llanöiöaturen oder solcher Kandidaten unmöglich macht, die durch Abfall von dein angestammten Glauben die antisemitische Behauptung von der Minderwertigkeit des Judentums unterstützt und unsere heiligsten Gefühle verletzt haben. Der Jude soll dem Baterlande alles opfern, nur nid)i seine Mannesehre! Den Standpunkt unseres Vereins bezüglich antisemitischer Kandidaturen müssen wir selbst solchen Landräten gegenüber geltend machen, welche bisher sich noch nicht nach einer Losung des Reichskanzlers v. Bethmann Hollweg gerichtet haben, die lautere: „Nicht Name, sondern Leistung!" Bei dem Jubiläumsfestmahl der Universität Berlin hat nämlich der Kanzler im Kaisertoast gesagt: „Tief-- gründige geistige Arbeit, der Todfeind aller P h rase, u i ch t N a m e, sondern Leistung, nicht Nachbeterei, sondern selbständige Forschung haben der Berliner Universität ihren Ehrenplatz in aller Welt erworben." — Bei einer Prozeßverhandlung in Greifswald, zwischen dem Landrate im Grimmer Kreise und einem liberalen Guts- Vorsteher, mußte der Landrat Freiher v. Maltznhn zugeben, auch mit dem Kreistierarzt Arnheim in Differenzen geraten zu fein, der Mitglied eines liberalen Vereins war. D e r Na m e „Arnheim" habe ihm etwas „l i b e r a l i st i s ch" geklungen; er habe aber festgestellt, daß der .Kreistierarzt germanischer Abstammung unh Sohn christlicher Eltern war. Was die Juden von solchen Landräten zu erwarten haben, denen schon ein Name Voreingenommenheit erweckt, bedarf keiner weiteren Ausführung. Es ist keine unbillige Forderung, wenn verlangt wird, daß der Reichskanzler auch in der Verwaltung darauf dringt, daß nur die L e i st u n g und nicht d e r N a m e in Betracht gezogen wird, daß nicht erst die Not beten lehrt, sondern das Gerechtigkeitsgefühl, daß auch im Heeresweseu künftig weder an den: Namen noch an dem Religionsbekenntnis eines deutschen Soldaten seine Bewertung abgemessen wird, sondern nur an seinem sittlichen Verhalten und