Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 812 (sequence 2)
- Language
- German
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812 Im deutschen Reich. liberalen zu bringen, bag sie ihnen in den rheinisch-westfälischen Jndustriekreisen Beistand leisten. Daß dabei die Nationalliberalen „den deutschen Einheitsgedanken" fördern wurden, wie Herr v. B o d e l s ch wing h - S ch w a r z e n h a s e l auf dem konservativen Parteitage in Duisburg versicherte, ist sicher nicht zutreffend. Gefördert würden dadurch nur die Gegner des Liberalismus und der Antisemitismus; das geht aus den eigenen Worten v. Bodelschwinghs hervor: „Seien wir eingedenk, daß der Gründer und Führer der christlich-sozialen Partei ein Stöcker war, der so viel für die Erhaltung eines christlichen Volkstums getan har und immer ein konservativer Mann geblieben ist. Und mein verewigter Onkel, der P a st o r von Bode l s ch w i n g h , hat noch in seinen allerletzten Lebenslagen sich um die Erhaltung des christlich-sozialen Blattes „D a s R e i di" sorgend ge - m ü h t. Einen dritten Mann möchte ich dann nennen, der Gott sei Dank noch lebt, und der einen so tapferen Kampf kämpft gegen häßliche und verderbliche Zeiterscheinungen, an deren Förderung das Judentum so lebhaft beteiligt ist, ich meine den Pfarrer Liz. D. Webe r in München-Gladbach." Derselbe Herr v. Bodelschwingh, der die Nationalliberalen vor den Karren der Konservativen spannen möchte, hat in einer Versammlung des „Bundes der Landwirte" in Tecklenburg eine judenfeindliche Resolution durch gebracht, die er mit den seiner Auffassung von der Menschenliebe kennzeichnenden Worten begründete: „Ich las heute früh auf dem Denkstein zur Erinnerung an den Besuch Friedrich Wilhelms IV. in Tecklenburg die Worte: „Die Werke des Menschen, der von der Liebe beherrscht wird, werden getan wegen der Liebe, in der Liebe oder durch die Liebe". Da fragte ich mich: kannst du ehrlich sagen, daß der Standpunkt, den du in der Judenfrage einnimmst, sich vereinen läßt mit solcher Liebe? Und ich kann diese Frage b e j a h en. A u s Liebe zum Vaterlande muß ich mich wenden gegen die Gefahr, die vor der jüdischen Zersetzung droht/' Daß bei den nächsten Wahlen der landrätliche Apparat zugunsten der konservativen Partei mit allem Nachdruck arbeiten wird, ist unschwer vorauszusehen. Um so mehr müssen s ch o n j e tz t die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens bei den Vorbereitungen zu diesen Wahlen, gleichviel welcher poli-