Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Eine Massenversammlung wider die "Judentaufen"
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 810 (sequence 7)
- Language
- German
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810 Iw deutschen Reich. haben. Und wenn wir in gewissen Fällen auch nicht ganz ab rücken können, so wollen wir doch mindestens dem Betreffenden offen unsere Meinuung sagen und ihn unsere Anschauung fühlen lassen. Wie kann ein Konvertit Respekt vor uns haben, wenn acht Tage nach dem UeberLritt die alten Freunde wieder mit ihm zusammen auf der Straße gehen und den ganzen Vorgang eigentlich so behandeln, als ob er sich einen neuen Anzug gekauft hatte? Das ist der große Krebsschaden an unserem eigenen Körper. Wir müssen den Mut gewinnen, unsere Meinung frei und offen auszusprechen denen gegenüber, die unserer Ueberzeugung nach eine sittlich minderwertige Handlung begangen haben. Wir müssen hier, wo es sich schließlich um Sein oder Nichtsein des Judentums handelt, energischer Vorgehen und dürfen uns nicht durch gleißnerische Reden und falsche Gründe von einer für wahr erkannten Ueberzeugung abbringen lassen. Auch von christlicher Seite wird diese Ansicht geteilt, z. B. sagt der Straßburger Professor Theobald Ziegler in seinem Werke über das 19. Jahrhundert: „Heute ist der Uebertritt eines Juden zum Christentum keine indifferente sondern eine recht verächtliche Sach e." Diese Gedanken sollen wir auch nach außen hin vertreten, weil .es unsere Pflicht ist, im Interesse der Moral, der Sittlichkeit und im Interesse der Gesamtheit. Machen Sie die Eltern darauf aufmerksam, daß sie die Kinder gut erziehen, daß sie ihnen die Wege ebnen, wenn sie sie zu tüchtigen, ehrenhaften, in der Vergangenheit wurzelnden Menschen werden lassen. Machen Sie die Frauen darauf aufmerksam, daß Titel und Orden nicht allein glücklich machen, daß ein einfacher Mann, aus welchem Stande er auch immer sei, wenn er sich selbst treu ist und seiner Vergangenheit, in Frieder: mit sich selbst und in Frieden mit der Allgemeinheit leben wird. Wenn wir so auseinandergehen mit dem Bewußtsein, daß der Kampf gegen die „Judentaufen" ein Kampf ist für Recht, für Treue, für Sittlichkeit, kurz für die höchsten, idealsten Güter der Menschheit, dann wird unser heutiger Abend kein vergeblicher gewesen sein, dann werden wir etwas für uns, für unsere Vergangenheit und für unsere Zukunft getan haben."