Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Die Juden im deutschen Heere
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 779 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Juden im deutschen Heere. 779 beseitigt und ausgeschlossen werden, so liegt das zum Teil jedenfalls daran, daß der Rang eines Offiziers ihnen unzugänglich ist. So hängt eine Menge praktischer Fragen mit der großen idealen Frage, die für uns alles andere überwiegt, der Frage der Ehre unseres jüdischen Glaubens, zusammen. Das Bundesgesetz vom 3. Juli 1869, das nach Gründung des Deutschen Reichs Reichsgesetz wurde, bestimmt: „Alle noch bestehenden, aus der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte werden hiermit aufgehoben, insbesondere soll die Befähigung zur Bekleidung öffentlicher Aemter vom religiösen Bekenntnis fein." — In andern Ländern ist auf die gesetzliche Gleichberechtigung der Juden auch die tatsächliche gefolgt; anders aber liegt leider die Sache in Deutschland und besonders in Preußen. Wir sind ja daran gewöhnt, daß in Preußen die Freiheiten, jdie mit der linken Hand gegeben werden, mit der rechten;— ich sage ausdrücklich mit der rechten — wieder zurückgenomrnen werden. (Große Heiterkeit.) Was schert es diejenigen, die in Preußen die Macht haben, ob Verfassung und Gesetz die Gleichberechtigung verheißen: die Juden bleiben aus dem Offizierkorps und aus der höheren Beamtenlaufbahn ausgeschlossen. — Und doch können wir zweierlei feststellen: einmal, daß die Juden sich, seitdem sie überhaupt zum Heere zugelassen worden sind, als treue Patrioten, als tapfere und eifrige Soldaten gezeigt haben, und zweitens, daß es von derselben Zeit ab die U e b e r l i e f e r u n g des preußischen Heeres war, Juden wenigstens zu Reserveoffizieren zu ernennen. Also die Tradition des Heeres spricht für uns. Bei Beginn der Freiheitskriege im Frühjahr 1813 wurden die Juden zum ersten Male im preußischen Heere zugelassen, und nach den Listen des Kriegsministeriums folgten nicht weniger als 410 Juden dem Rufe des Vaterlandes als Freiwillige. Dabei fehlen in diesen Listen viele Infanterie- Regimenter, fast die gesamte Kavallerie, die ganze Artillerie; wir müssen deshalb diese Zahlen mindestens verdoppeln. Es waren also von den 310O0 Juden, die im damaligen kleinen Preußen wohnten, zweieinhalb Prozent, die freiwillig die