Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Die Juden im deutschen Heere
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 778 (sequence 2)
- Language
- German
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778 Im deutschen Reich. Der Vorsitzende des Verbandes und des Ceutral-Vereius, Herr Justizrat Dr. M. Horwitz, eröffnete die Versammlung mit einem kurzen Hinweise auf die Wirksamkeit des Verbandes ,als der Gesamtvertretung der deutschen Juden. Hierauf nahm Professor vr. P hi Li pp so n das Wort zu seinem Vortrage: Wenn Körperschaften wie der Verband der Deutschen Juden und der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sich entschließen, die Zurücksetzung der Juden im preußischen Heere als öffentliche Angelegenheit zu besprechen, so haben sie dazu guten Grund. Wenn nur einer oder der andere jüdische Freiwillige die Offiziersepauletten in Preußen nicht erhielte, so wäre das eine Privatangelegenheit, die nur den Beteiligten, nicht aber die Allgemeinheit anginge. Aber wenn, wie es seit mehr als Zwei Jahrzehnten geschieht, der jüdische Einjährige in Preußen, der sich als Soldat vollkommen bewährt, der als solcher von seinem Vorgesetzten diebesten und günstigsten Zeugnisse erhält, doch von dem Offiziers rang ausgeschlossen w i r d, so involviert das ein Unrecht nicht nur für ihn, sondern bedeutet eine grundsätzliche Verunglimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft und ihres Glaubens. Denn, sobald der jüdische Einjährige, der sich zum Offizier befähigt gezeigt hat, den Glauben wechselt, erfolgt prompt seine Beförderung zum Offizier. Es ist also nicht eine Rassenfrage, sondern eine Glaubenssrage, die Zugehörigkeit zur jüdischen Religion wird durch dieses grundsätzliche Verhalten als ein Makel bezeichnet, und damit wird dieser Makel auf den jüdischen Glauben selbst gewälzt. Daneben hat aber diese Zurücksetzung der Juden xim Heere auch weitere praktische Folgen bei der sozial bevorzugten Stellung, die der Offiziersstand in unserem militärischen Preußen und dem von ihm beeinflußten übrigen Deutschland einnimmt. Indem die Juden grundsätzlich als unfähig und unwürdig der Beförderung zum Offizier erklärt werden, verschließt sich ihnen auch die höhere Beamtenkarriere, und wenn jetzt außerdem vielfach in technischen Berufen, im Apothekerberufe, ja auch in manchen ärztlichen Stellen die Juden