Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 11 (November 1910)
- Article
- Erklärung / Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens /
- Date
- 1910-11-01
- Page
- 708 (sequence 2)
- Language
- German
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708 Im deutschen Reich. Uches geleistet hat. Wir haben ferner anerkannt, das; die leitenden Herren des Verbandes frei von Antisemitismus sind. Wir können aber die Auffassung des Vorstandes des Verbandes nicht als richtig und logisch anerkennen. Gerade weil der Verband „die konfessionelle, politische und wissenschaftliche Neutralität als sein oberstes und strengstes Gebot" betrachtet, und gerade weil er „seine Einrichtungen allen feinen Mitgliedern in gleicher Weise ohne Unterschied zur Verfügung stellt", müßte er in gleicher Weise einschreiten, wenn christliche oder jüdische Aerzte in ihrer Existenz bedroht werden. Das aber ist der Fall, wenn gegen Gesetz und Recht jüdischen Medizinalpraktikanten die Möglichkeit, das vorgeschriebene praktische Jahr abzuleisten, eingeschränkt oder genommen wird, wie dies im Krankenhause Britz geschehen ist. Die Herren Aerzte dort unter der Aegide des Herrn Direktor Dr. Victor Schneider boykottieren übrigens nicht etwa nur jüdische Medizinalpraktikanten, sondern ausgesprochenermaßen ebenso jüdische Assistenten. Wenn der Vorstand des Leipziger Verbandes aber der Meinung war, daß der Verband nicht in dev Lage sei, in der Angelegenheit etwas zu tun, und daß das Notwendige seitens der Aerztekammer zu geschehen habe, so hätte er diese Aktion wenigstens dadurch unterstützen können, daß er in seinem Organ der Meinung des überwiegenden Teiles der Aerzteschaft und seiner eigenen Meinung dahin Ausdruck gab, daß die erfolgte Boykottierung jüdischer Aerzte ungesetzlich und ein Hohn auf Kollegialität sei und auf das schärfste verurteilt werden müsse. Wir wissen, daß der Vorstand des Leipziger Verbandes auf diesem Standpunkt steht. Es wäre aber den Unterdrückten ein Trost, den Unterdrückern ein Memento, der hohen Staatsregierung ein Fingerzeig gewesen, wenn der Vorstand seiner und der Aerzteschaft Meinung in seinem Organ, den „Aerztlichen Mitteilungen", öffentlich Ausdruck verliehen hätte, mit dem Hinweis, daß ihm die konfessionelle Neutralität gebiete, für alte wirtschaftlich geschädigten Aerzte einzntreten, also auch für d i e j ü d i s ch e n. Der Vorstand des Eentral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.