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Im deutschen Reich · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. 698

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
Th. P., Berlin
Date
1910-10-01
Page
698 (sequence 1)
Language
German
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698 Im deutscher: Reich. Th. $>., Berlin. In Heft 9 der unter dem Titel „Arena" von der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart herausgegebenen Oktav-Ausgabe von „Ueber Land und Meer" haben wir den Artikel „Stumme Bettlersprache" von Hans Oswald gefunden und die gleiche Empfindung wie Sie gehabt, daß die darin enthaltene Behauptung, die „Bettlersprache" bestehe aus Worten, die fast ausnahmslos deutschen Ursprungs seien, während die „Verbrechersprache" von verballhornisierten Worten hebräischen Ursprungs wimmele, in diesem generalisierenden Umfang weder zutreffend noch tendenzlos sei. Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß die Diebessprache vielfach mit Worten vermischt ist, die hebräischen Ursprungs sind. Dies erklärt sich höchst einfach dadurch, daß die von den meisten Gewerben ausgeschlossenen Juden in früheren Jahrhunderten auf das Pfandleihergeschäft angewiesen waren, dafür gewisse gesetzliche Vorrechte besaßen, aber auch stets in Gefahr waren, von Dieben und Räubern ausgesucht zu werden, die ihre Beute bei ihnen zu versetzen suchten. Bei diesem Verkehr haben viele Verbrecher hebräische Worte den jüdischen Pfandleihern abgelauscht, die sie zu Hehlern zu machen wünschten oder auch oft unter Bedrohungen des Lebens gemacht haben. Daß „die Juden noch in der ersten Hälfte des. 19. Jahrhunderts vielfach die intellektuellen Leiter von Räuberbanden gewesen, daß die beherzteren unter ihnen wohl gar selbst zum Verbrecher geworden seien", ist keine Erfindung Hans Oswalds, sondern nur kritiklose Wiedergabe von Behauptungen ernster Schriftsteller, die aber aus alten Prozeßberichten alle Geständnisse und Verurteilungen von Juden schlankweg als Schuldbeweise angesehen haben, ohne in Anschlag zu bringen, daß bei der damaligen Rechtspflege jedes gegen Juden abgelegte Zeugnis sehr leicht Glauben fand, und daß Juden unter Folterqualen sich zu Verbrechen bekannten, von denen sie keine Ahnung hatten. Der englische Schriftsteller Dickens, der in seinem Erstlingswerk „Oliver Twist" im Juden Fagin unter dem Eindruck eines kriminellen Einzelfalles einen ganz abstoßenden Typus schuf, hat dies den Juden zugefügte Unrecht später eingesehen und dadurch gutzumachen gesucht, daß er in höherem Lebensalter in ..Our mutual friencO in Ryah einen edlen Juden gezeichnet hat, den ein christlicher Wucherer zum

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